Der Klang der Stille

Schweigen ist mehr als nur abschalten. Ohne das Schweigen laufen wir Gefahr, uns im Äußeren und Äußerlichen zu verlieren. Die Stille wird zum Raum für Gottes Gegenwart.

Mehrmals in meinem Leben habe ich als Eremit 40 Tage lang in der Wüste gelebt. Für Charles de Foucauld, auf den sich meine Ordensgemeinschaft der „Kleinen Brüder vom Evangelium“ zurückführt, war die Wüste ein besonderer spiritueller Ort. Inmitten einer dürstenden Landschaft wollte er den Gottesbrunnen finden: „Man muss die Wüste durchqueren und in ihr verweilen, um die Gnade Gottes zu empfangen … Schweigen bedeutet das Gegenteil von Vergessen und Kälte; in der stillen Betrachtung entzündet sich das Feuer. Im Schweigen liebt man am glühendsten; Lärm und Worte ersticken oft das innere Feuer.“

Leben im Lärm

Seit den Anfängen des Christentums haben Einsiedlerinnen und Einsiedler eine zurückgezogene Lebensweise gewählt, um in der Stille und Abgeschiedenheit Gott zu suchen. Nach einem Wort von Meister Eckhart ist nichts im Universum Gott ähnlicher als die Stille. Ohne das Schweigen laufen wir Gefahr, uns im Äußeren und Äußerlichen zu verlieren. Unsere Welt ist laut und geschwätzig. Wir leben mit einem Hintergrundrauschen, das nie aufhört: der Lärm der Autos und Züge, ein Geräuschpegel, der unaufhörlich dröhnt. Viele brauchen die Dauerberieselung durch Fernseher und Smartphone. Wenn es einmal still wird, dann kommt uns das unheimlich vor.

 

Bildtext: Gebet in der Wüste in einer Beduinenhütte. Bruder Andreas (2. von links) mit zwei Kleinen Schwestern und einem Mitbruder. Foto: Kapp

 

Den ganzen Text von Bruder Andreas Knapp und Impulse lesen Sie im aktuellen Rupertusblatt