Der Krieg spitzt sich zu

In höchstem Maße alarmiert sind Hilfsorganisationen und Kirchenvertreter über die Zuspitzung des Kriegs um Aleppo: Das UN-Kinderhilfswerk bezeichnete die jüngsten Luftangriffe auf die Stadt als absoluten Tiefpunkt.

„Die Intensität und Rücksichtslosigkeit sind vergleichbar mit den Gräueltaten, die im Zweiten Weltkrieg verübt wurden“, sagte der Sprecher von Unicef-Deutschland, Rudolf Tarneden. Schätzungsweise 100.000 Kinder im Ostteil von Aleppo seien in akuter Gefahr. Tarneden forderte, die Gewalt zu stoppen, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. In Syrien gehe es um die Rettung eines Minimums an Menschlichkeit. „Die Helfer, die in Syrien und in Aleppo tätig sind, tun ihr Möglichstes, sie unterstützen die Bevölkerung, aber sie werden nicht mehr sehr lange durchhalten können“, so der Unicef-Sprecher.


Der UN-Sonderbeauftragte für den Syrien-Konflikt, Staffan de Mistura, schilderte am Sonntag in bewegenden Worten die Lage in dem von Luftangriffen heimgesuchten Ostteil der Stadt Aleppo. „Wir haben Berichte, Videos und Bilder von gemeldeten Brandbombeneinsätzen gesehen, die so gewaltige Feuerbälle erzeugen, dass sie die pechschwarze Dunkelheit in Ost-Aleppo erleuchten, als ob es Tag wäre.Zivilisten überall in der Stadt müssen sich fragen, wo auf Erden sie in dieser gequälten Stadt noch sicher sein können.“

 

Nicht tolerieren


UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ist „erschüttert“ über die militärische Eskalation in Aleppo. Die Stadt erlebe derzeit die intensivsten und anhaltendsten Bombardements seit Beginn der Syrienkrise. Seit die syrische Armee am Donnerstag eine neue Offensive gegen die Aufständischen in der Stadt angekündigt habe, gebe es Berichte über Luftangriffe mit Brandbomben und bunkersprengenden Waffen, so Ban Ki Moon. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, den Einsatz immer tödlicherer und mächtigerer Waffen gegen Zivilisten und die zivile Infrastruktur nicht zu tolerieren.


Syrer wünschen sich Dialog und Frieden


Der griechisch-katholische melkitische Erzbischof der nordsyrischen Metropole, Jean-Clement Jeanbart, meinte, man habe „Frieden, zumindest Waffenstillstand versprochen, aber nichts hat sich bewahrheitet, alles Lügen, Lügen, Lügen“. In West-Aleppo würden die Lebensbedingungen immer schwieriger, so Jeanbart. Es gebe wenig Wasser, vor allem fehle es an Strom. Man sei auf Generatoren angewiesen. Aber weil die wenigsten Leute noch Arbeit hätten, gebe es viel zu wenig Geld, um Diesel zum Betrieb der Generatoren zu kaufen. Die Preise für Lebensmittel und Medikamente seien enorm gestiegen. „Die Syrer wollen nur Dialog und Frieden. Aber das wollen die großen Staaten nicht, die hinter unserem Rücken unser Land und unsere Gesellschaft zerstören. Wir zahlen für den Egoismus der großen Staaten, die noch dazu behaupten, christlich zu sein.“ kap, Foto: UNICEF/Tiku