Der „Provokateur“

FAIR SHARE – gerechtes Teilen – ist seit fünf Jahren das Herzensprojekt von Max Luger. Sein Ziel: Etwas mehr Gerechtigkeit auf dieser Welt durch Umverteilung von Reich zu Arm.

 

 

Salzburg. Ehemals Banker, dann Mönch im Stift Kremsmünster und schließlich Pastoralassistent in zwei der ärmsten Pfarren Salzburgs, St. Elisabeth und Mülln, das sind die Lebensstationen des Max Luger (69). Er wuchs auf einem Bauernhof in St. Marien bei Linz auf und kam schon früh mit Armut in Berührung: Sein Onkel ist als Obdachloser gestorben. Am Land gab es dafür wenig Verständnis. 

Christlich sozialisiert, hörte Luger den Pfarrer regelmäßig von der Liebe und dem Schutz Gottes predigen. Für ihn wurde klar, dass es der Wille Gottes sei, dass es jedem gut gehen und jeder seine Talente verwirklichen soll. Außerdem führe einen Gott, wenn man genau in sich hineinhorche, an den richtigen Ort. Prägend war für Luger auch, dass in der Pfarre Mülln Woche für Woche Bittsteller kamen. So fasste er den Entschluss, etwas zu tun, um die Armut zu lindern; er gründete in der Pfarre Mülln die Aktion „ArMut teilen“: Das ganze Jahr über können Menschen, die mehr haben, einzahlen und einmal im Jahr gibt es einen Umverteilungs-Sonntag. „Denn Umverteilung und das Bewusstsein des Teilens braucht es in jedem Dorf“, ist Luger überzeugt. Innerhalb von sieben Jahren habe sich die Zahl der Spender, die Spendensumme, aber auch die Zahl der Bittsteller verzehnfacht, erzählt er.  

Als Luger in Pension ging, wollte er ein ähnliches Projekt in der Stadt Salzburg starten. Mitten in der Altstadt, am Mirabellplatz, steht nun seit fünf Jahren sein Container mit der Aufschrift „FAIR SHARE“. Ihm war wichtig, dass sein Projekt im Herzen von Salzburg Platz findet, denn „die Reichen sollen die Armen in ihre Mitte nehmen“, so Lugers Gedanke. Seither können Hilfesuchende von Montag bis Donnerstag zwischen 9.00 und 14.00 Uhr ohne Voranmeldung vorbeikommen und entweder Spenden abgeben oder Spenden erbitten. Max Luger prüft die aktuelle Situation der Menschen, die Geld benötigen und gibt, wenn ihm eine ausreichende Spendensumme zur Verfügung steht, ab 100 Euro. Denn Lugers Gedanke ist, „dass der Stärkere dem Schwächeren helfen soll. Wenn ich als Stärkerer nicht in der Lage bin, dem Schwächeren zu helfen, so muss ich mich fragen, ob ich wirklich wie ein Mensch handle, oder ob mir der Mensch egal ist“, so Luger. 

Er unterscheidet fünf Situationen von Not: Energie-, Wohnungs-, Arbeits-, Ausbildungs- und Beziehungsnot. Die größte Not ist heute die Beziehungsnot, weiß Luger. Daher hilft er Menschen besonders, die etwa von Zuhause rausgeworfen wurden, aber auch alleinerziehende Mütter fragen oft um Hilfe. Pro Woche kommen 20, übers Jahr rund 1.000 Menschen in Lugers FAIR SHARE-Container am Mirabellplatz.

Das Schönste an seiner Arbeit seien die verschiedenen Geschichten der Menschen, und die Erfahrung, dass aus Verzweiflung große Freude werden kann. Luger möchte mit seinem Projekt so lange wie möglich weitermachen. Außerdem wünscht er sich, dass sich mehr Menschen vom Geld befreien können und wieder vermehrt auf die Schwächeren schauen. 

Wenn Ihnen in den kommenden Wochen bei einem Besuch am Christkindlmarkt oder beim Weihnachtseinkauf noch ein paar Euro übrig bleiben, im Container am Mirabellplatz gibt es einen dankbaren Abnehmer dafür.

BUCH-TIPP: „Der Geldverteiler vom Mirabellplatz – eine soziale Utopie“ von Stefan Selke, Tectum Verlag, Baden-Baden, 2018, ISBN 978-3-8288-4169-7.

Foto: Im Herzen der Salzburger Altstadt – am Mirabellplatz – steht Max Lugers Umverteilungscontainer. Spenden werden gerne von Montag bis Donnerstag zwischen 9.00 und 14.00 Uhr entgegengenommen beziehungsweise verteilt. 

Foto: Ines Hickmann