Deutschland mit Vorreiterrolle

Mit einem ökumenischen Festgottesdienst in der Berliner Marienkirche eröffnete die Evangelische Kirche in Deutschland am Montag, dem Reformationstag, ihre Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum. Kardinal Reinhard Marx rief Katholiken und Protestanten auf, das Jahr 2017 als Chance zu begreifen.

München. Die katholische Kirche werde durch das Erinnern an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren nicht bedroht, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Sonntag in einem ökumenischen Gottesdienst zum Reformationsfest in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Roms. Marx betonte, die katholische und evangelische Kirche in Deutschland müssten weltweit eine ökumenische Vorreiterrolle spielen. Die Reformation sei von Deutschland ausgegangen, daher hätten diese beiden Kirchen auch „eine besondere Aufgabe, viel dafür zu tun, dass wir zusammenkommen“, so der Münchner Kardinal. Hierbei dürfe man sich nicht überheben, aber auch nicht verstecken. Er äußerte die Hoffnung, dass die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Ende des Gedenkjahres nicht nur „einfache Fortschritte“ erzielt haben würden, sondern einen Beitrag „zu einer wirklichen und sichtbaren Einheit“ leisten könnten.


Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, sieht im bevorstehenden Reformationsjubiläum 2017 eine historische Chance für die Ökumene. „Ich freue mich riesig, dass wir zum ersten Mal in der Geschichte ein Reformationsjubiläum feiern werden, in dem wir uns nicht gegeneinander abgrenzen, sondern gemeinsam feiern.“ Mit Bezug auf den Reformator Martin Luther (1483–1546) betonte er: „Luther wollte ja nicht eine neue Kirche gründen, sondern Christus neu entdecken, die Liebe Gottes neu entdecken. Deswegen hat er damals die Kirche kritisiert.“ Und fügte mit Blick auf die katholische Kirche hinzu: „Christus neu entdecken – das können wir heute nur noch gemeinsam.“ Bedford-Strohm rief zugleich zu mehr interreligiösem Dialog mit Muslimen auf. Abgrenzung und Hass sei „genau die falsche Antwort“. kap

 

Bildtext: 2017 ist eine große Chance für die Ökumene, sagten Kardinal Reinhard Marx und der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm (r.). Foto: KNA