Die Ernte ändert sich

Liegen bald Südfrüchte statt Mais, Äpfel und Kürbis bei Erntedankfesten vor den Altären?

Siezenheim. Trockene Sommer, frostige Winter, ungewohnte Erträge: Der Klimawandel macht sich in der Erzdiözese bemerkbar.

Zufrieden mustert Anton Langwallner den Boden. Zwischen rauen grünen Blättern lugen dicke orangefarbene Kürbisse hervor. „Heuer hat das Frühjahr für uns gepasst. Wir konnten die Samen im Mai direkt in die Erde legen“, sagt der Hallerbauer – so lautet der Hausname – aus Siezenheim.
Anders sieht es auf den Nachbarfeldern aus. Kartoffeln sind von Drahtwürmern befallen. Für Kraut und Kohl war es zu trocken. Die Köpfe sind weder groß noch prall geworden. In Salzburg gab es zu viele trockene Tage jenseits der 35 Grad Celsius. „Heuer arbeiten wir mit Gießcontainern. Langfristig stellen wir uns auf ein stationäres Bewässerungssystem ein“, sagt Langwallner. 

Schäden durch Wetterextreme 

Seine Frau Andrea ist in Siezenheim im Pfarrgemeinderat und bereitet Erntedank mit vor. Ob die beiden fürchten, dass zum Fest für diesen Breitengrad bald ungewöhnliche Feldfrüchte vor dem Altar liegen werden? Anton Langwallner winkt ab. „Für Melonen müsste es permanent um die 40 Grad haben. So weit ist‘s aber noch nicht bei uns“, erzählt er, während er durch seine hüfthoch gewachsenen, rosaroten Schnittblumen streift. 

Kopfzerbrechen bereitet dem Landwirt der sintflutartige Regen, mit dem Salzburg auch in diesem Sommer zu kämpfen hatte. Es gebe mehr Wasser- als Dürreschäden, überlegt er laut. Österreichweit beträgt der Gesamtschaden durch Wetterextreme voraussichtlich rund 150 Millionen Euro, wie die Hagelversicherung meldete. 

Bauern stellen sich langsam um

Durch das wärmere Wetter vermehren sich auch im Wald Schädlinge wie Borkenkäfer rasant. Mit Blick auf seine Nachkommen sagt Langwallner: „Wir verzeichnen einen schweren Generationsschaden. Was ich an Bäumen nachpflanze, werden meine eigenen Kinder noch nicht ernten können.“ Vorgesorgt hat Anton Langwallner anders. Neben Feldfrüchten und Schnittblumen hat er eine Ochsenmast mit 20 Stück Vieh.


„Wenn ich auf Vater und Mutter höre, dann hat es auch früher schon heiße Sommer gegeben. Jetzt werden sie halt häufiger“, erzählt Langwallner. Er nimmt einen frisch geschnittenen, orangefarbenen Kürbis in die Hand und bürstet in einem Wasserbecken die Erde ab. So geputzt ist das orange Gemüse bereit, zu Erntedank in einer Kirche zu liegen.