Die Frau mit dem Kollar

Frau, Mutter, Pastorin:

Sie ist eine der Jüngsten, die in der evangelischen Kirche bisher ordiniert wurden. Nun steht Dorothee Büürma der evangelischmethodistischen Gemeinde Salzburg vor. Sie sagt: „Als verheiratete Frau und Mutter kann ich die Menschen viel besser verstehen, als es noch vor den Aufgaben in meiner Familie der Fall war.“

Salzburg. Wenn Dorothee Büürma durch Salzburg geht und ihr schwarzes Hemd mit dem weißen Kollar trägt, erntet sie staunende Blicke. Eine Frau, die den Priesterkragen trägt, ist hier nicht alltäglich. Kritische Bemerkungen? Fehlanzeige. Büürma fühlt sich in der Mozartstadt bestens aufgenommen. Seit September leitet die 33-Jährige als Pastorin die evangelisch-methodistische Gemeinde, deren Sitz in der Neutorstraße ist.
Auch wenn sie als Jugendliche eigentlich nicht in die Fußstapfen ihrer Vorfahren steigen wollte, führt sie nun die rund 500 Jahre dauernde Familientradition fort, seit sie vor sechseinhalb Jahren ordiniert wurde. Vater, Großvater, Urgroßvater: Pastoren. Die gebürtige Baden-Württembergerin aus Hohenlohe ging nach Großbritannien, zum Studium und zum Arbeiten. Der evangelische Superintendent Olivier Dantine hat sie kürzlich nach Österreich geholt. Der Ehemann und die beiden Söhne kamen mit.

Seelsorgliche Notfälle? Die Pastorin ist da

Während die katholische Kirche nach der Amazonien-Synode im Oktober weiter um die Weihe der Frauen – zumindest zu Diakoninnen – ringt, ist ihre Ordination bei den meisten protestantischen Kirchen seit Jahrzehnten Gang und Gäbe, auch, weil der Akt nicht als Sakrament verstanden wird.
Ob Büürma als Frau in diesem Job Vorteile hat? Sie nickt und erzählt, dass ihre „Lernkurve als Pastorin“ schnell angestiegen sei, seit sie selbst Mutter zweier Kinder ist. „Bei meiner Ordination war ich hochschwanger. Heute schätze ich an meinem Beruf, dass er sehr flexibel ist. Hole ich meine Kleinen vom Kindergarten ab, nutze ich Wartezeiten, um mit den Menschen zu sprechen.“ So gelinge es ihr, immer wieder Theologie zum Thema zu machen. Wenn ein seelsorgerischer Notfall ausbreche, stehe ihr Mann Tag und Nacht hinter ihr, übernehme die Arbeit mit dem Nachwuchs und unterstütze sie damit.
Ob Frauen oder Männer die besseren Pastoren seien, will Büürma nicht beantworten und sagt: „Es kommt auf die Person an und nicht auf ihre Hormone.“ Ihre Mutter sei Feministin, die Eltern seit jeher komplett gleichgestellt. Dasselbe lebe sie in ihrer Familie und auch in der Gemeinde.
Apropos: Die evangelisch-methodistische Gemeinde zählt in Salzburg 28 getaufte Mitglieder; konfirmiert und damit bekennende Mitglieder sind 66, als Freunde der Gemeinde bezeichnen sich 58 Leute. Dazu kommen acht Gastmitglieder aus anderen Konfessionen. „Uns kann man als ,bunt‘ bezeichnen“, erklärt die studierte Theologin. Zu den Gottesdiensten kommen Gläube aus Salzburg und Umgebung, einige mit afrikanischen, amerikanischen, südamerikanischen oder asiatischen Wurzeln. Gefeiert werde eine gute Stunde, mit viel Schwung und Musik in der Liturgie. Nur eine eigene Kirche habe man nicht mehr; wo diese in der Neutorstraße stand, herrscht nun gähnende Leere. Es werden Wohnungen neu gebaut. Herzliche Aufnahme habe man sonntags um 9.30 Uhr in der Kirche der Diakonie im Salzburger Stadtteil Aigen gefunden.

Michaela Hessenberger

Foto: Dorothee Büürma ist 33 Jahre alt und leitet die evangelisch-methodistische Gemeinde in Salzburg. Sie freut sich über die gute Stimmung und den Fortschritt im Ökumenischen Arbeitskreis.
Foto: RB/mih