Die Sünder offen empfangen

Papst Franziskus hat katholische Priester dazu aufgerufen, Sünder mit offenen Armen zu empfangen und nicht allein auf Vorschriften zu pochen.

Vatikan. „Wir sind verpflichtet, jenes Verhalten zu überprüfen, das manchmal den anderen nicht hilft, sich Jesus zu nähern“, sagte er am Freitagabend während eines Bußgottesdienstes im Petersdom. Als Beispiele nannte er „menschliche Regeln, wenn sie mehr als Vergebung zählen“ sowie die „Starrheit, die von der Zärtlichkeit Gottes fernhalten könnte“. Gleiches gelte für „Zeiten und Programme, die nicht den tatsächlichen Bedürfnissen derer entgegenkommen, die den Beichtstuhl aufsuchen“. Der Bußgottesdienst in Rom war Auftakt der weltweiten Fastenzeits-Gebetsaktion „24 Stunden für den Herrn“, die auch in vielen österreichischen Kirchen begangen wurde. Die Kirche dürfe zwar keineswegs „den Anspruch des Evangeliums schmälern“, betonte der Papst in seiner Predigt. Sie könne jedoch nicht riskieren, „den Wunsch des Sünders, sich mit dem Vater zu versöhnen, zu vereiteln“. Deshalb seien vor allem Bischöfe und Pries-ter heute mehr denn je dazu aufgerufen, „den – vielleicht heimlichen – Schrei derer zu hören, die dem Herrn begegnen wollen“.

Franziskus begab sich während des Bußgottesdienstes wie in den vergangenen beiden Jahren persönlich in einen Beichtstuhl des Petersdoms. Dort kniete er nieder, um seine Sünden zu bekennen. Anschließend erteilte er selbst als Beichtvater mehreren Gläubigen die Absolution. Das Heilige Jahr, das derzeit begangen wird, sei eine günstige Gelegenheit, um die Gegenwart Gottes anzunehmen und mit ganzem Herzen zu ihm zurückzukehren, sagte Franziskus weiter. „Werfen wir also weg, was uns daran hindert, zügig zu sein auf dem Weg zu ihm, ohne dabei Angst zu haben, das zurückzulassen, was uns Sicherheit gibt und an dem wir hängen.“ Der Bußgottesdienst mit Franziskus eröffnete eine weltweite Initiative für die Förderung der Beichte. Unter dem Titel „24 Stunden für den Herrn“ boten Pfarren in der ganzen Welt bis Samstag-abend besondere Gelegenheiten zur Beichte und zur eucharistischen Anbetung und „Abende der Barmherzigkeit“ an. 
kap

Zur Beichte kniete sich auch Papst Franziskus nieder. Foto: KNA