Die Vielfalt des Lebens ist bedroht

Laudato si. Das stellt Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato si bemerkenswert deutlich dar: Dem Zugriff des Menschen kann sich kaum mehr ein Teil der Erde entziehen. Und in der Regel gehen Menschen mit kurzfristiger Profitorientierung an die Erde heran. Damit berauben sie sich langfristiger Chancen, denn in den Arten der Erde schlummern unbekannte Stoffe mit Heilwirkung oder anderen möglichen Nutzanwendungen.

Johann Neumayer, Umweltreferent der ED

Salzburg. Doch muss der Ansatz, um die Arten der Erde zu schützen, tiefer gehen: Die Arten der Erde sind nicht in erster Linie zum Nutzen der Menschen da, sondern haben einen Eigenwert und ihr Verlust ist unwiederbringlich: „Unseretwegen können bereits Tausende Arten nicht mehr mit ihrer Existenz Gott verherrlichen, noch uns ihre Botschaft vermitteln. Dazu haben wir kein Recht.“ (LS 33)
Die Anfrage von Papst Franziskus trifft uns alle: Ist der Umgang mit der belebten Natur nicht allzuoft auch in Kirchenkreisen recht erbärmlich auf „nützlich oder schädlich“ reduziert? Pflegen wir unser Sensorium für die Fülle und Vielfalt der Natur, deren Teil wir sind, oder leben wir nicht oftmals einen praktischen Materialismus? Ob man die Natur als Materiallager versteht, das man für eigene Zwecke ausbeutet oder aber als Ort des eigenen Herkommens und der Offenbarung Gottes, macht einen gravierenden Unterschied.
Wir sollten uns vor Augen halten, dass die Erde einen faszinierenden Kosmos an Organismen beherbergt, deren Zusammenwirken wir nur höchst unvollständig begreifen können. Vom Funktionieren der ökologischen Kreisläufe leben wir jedoch alle.

Und für gläubige Menschen erhält die Schöpfung einen besonderen Wert zusätzlich dadurch, dass die Schöpfung Ausdruck seiner Liebe ist.
Mit der daraus resultierenden Demut und dem Bewusstsein der Würde der Schöpfung sollten wir mit ihr umgehen, legt uns Papst Franziskus nahe.

Für viele seltene Tierarten sind Kirchen und deren Türme attraktive Unterkünfte. Foto: Pixabay