Die Welt im Licht des Glaubens betrachten

Laudato si. Nach der ausführlichen Analyse der Umweltprobleme und noch vor der Suche nach den tieferen Gründen dafür, geht Papst Franziskus darauf ein, was denn der Glaube zum Verständnis der Welt und zum verantwortlichen Umgang mit ihr anzubieten hat.

Johann Neumayer, Umweltreferent der ED

Salzburg. Die ökologische Krise ist zu groß und tiefgehend, als dass sie nur mit Vernunft und Wissenschaft gelöst werden könnte. Franziskus ruft dazu auf, „auf die verschiedenen kulturellen Reichtümer der Völker, auf Kunst und Poesie, auf das innerliche Leben und auf die Spiritualität zurückzugreifen. Wenn wir wirklich eine Ökologie aufbauen wollen, die uns gestattet, all das zu sanieren, was wir zerstört haben, dann darf kein Wissenschaftszweig und keine Form der Weisheit beiseitegelassen werden, auch nicht die religiöse mit ihrer eigenen Sprache“. (LS 63)
Die Kirche muss offen für den Dialog mit allen Wissenschaften sein und bringt als besonderen Deutungshorizont ein, dass die Natur „Schöpfung“ ist, gewollt, geschaffen und geliebt. Das jüdisch-christliche Denken hat die Natur entmystifiziert und nicht von ungefähr entwickelte sich die moderne Naturwissenschaft auf dieser Basis. Zugleich ist es zutiefst christliche Überzeugung, dass sich in der Schöpfung die Liebe Gottes zeigt, dass jedes Geschöpf daraus seinen besonderen Wert hat und nie nur unter Nutzungs- und Ausbeutungsaspekten gesehen werden darf. Der gläubige Blick steigt von den Werken zu „seiner liebevollen Barmherzigkeit auf“. (LS 77)

Dieser Blick des Glaubens auf die Schöpfung ist nicht nur eine beiläufige Zutat, sondern eine legitime Interpretation der naturwissenschaftlichen Fakten. Diese wissenschaftlichen Ergebnisse brauchen immer eine Interpretation, ob sie nun atheistisch, agnostisch oder in irgendeiner Weise religiös gläubig ist.
Die Interpretation der vorfindbaren Welt mithilfe der biblischen Tradition bietet einige sehr wertvolle Elemente für gelebte Schöpfungsverantwortung. Vor allem das Selbstverständnis des Menschen als treuer Verwalter ist im Wesen grundverschieden zur Maxime der Profitmaximierung. Das sollte spürbare Folgen haben.

Ein guter Verwalter ist der Mensch nicht immer: Die Präsentation Human Footprint – Satellitenbilder unseres Planeten von oben mit Bildern von eoVision zeigt, wie der Mensch sich die Erde aneignet, aber auch wie er sie ausbeutet. Die Bilder samt Impulsen von Hermann Signitzer und Luise Artner-Sulzer eignen sich auch gut als Unterrichtsmaterial für (Religions-)Lehrerinnen und Lehrer. Online abrufbar unter: www.seisofrei.at/schule.

 

 

„Das Klima ist ein gemeinschaftliches Gut von allen und für alle“, schreibt Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika. Für die Deutlichkeit seiner Worte wird er von Klimaforschern ausdrücklich gelobt. Die Auswirkungen des Menschen auf die Umwelt bilden auch die Satellitenaufnahmen von eoVision deutlich ab: Eisflächen wie das Treibeis vor der Ostantarktis im Bild etwa werden drastisch kleiner. Foto: eoVision