Die Zukunft „bilden“

Kinder sind wissbegierig, sie stellen gerne Fragen und das Stillsitzen fällt ihnen oft nicht leicht. Das ist in libanesischen Schulen nicht anders als in österreichischen. „Wobei der Lärmpegel in den Pausen bei uns doch um einiges höher ist“, schmunzelt die Bürmooser Religionslehrerin Ursula Kelz. Sie besuchte im Zedernstaat Schulen, in denen neben den libanesischen Mädchen und Buben immer mehr syrische Flüchtlingskinder die Schulbank drücken.

 

 

Beirut/Bürmoos. Laut UN-Kinderrechtskonvention hat jedes Kind das Recht auf Sicherheit, Zugang zu Bildung und ein Aufwachsen in der Familie. 60 Millionen Kinder weltweit haben nichts von alldem. Angst, Gewalt, Hunger und Flucht prägen den Alltag von Millionen syrischer Mädchen und Buben. Hunderttausende sind im Libanon gestrandet. Nur ein Bruchteil von ihnen geht hier zur Schule. Sie bekommen keinen Platz, weil die Schulen heillos überfüllt sind oder sie müssen arbeiten um das Überleben ihrer Familien zu sichern. Wie Mohamad, der einen Job in einer Bäckerei hat. Er haust mit seiner Mutter, Schwestern und Brüdern im sechsten Stock eines Hochhaus-Rohbaus in Beirut. Nur Mohamad  hat ein regelmäßiges Einkommen. Auf seinen Schultern lastet das Überleben einer ganzen Großfamilie. Der heute 16-Jährige hat wie seine jüngeren Geschwister schon seit Jahren keine Schule mehr von innen gesehen.  

Kein Land hat in Relation zur eigenen Bevölkerung mehr Syrer aufgenommen als der Libanon – zwei Millionen bei vier Millionen Einwohnern. Doch der kleine Staat ist überfordert. Die Situation der Kleinsten ist besonders trist. Die Caritas Salzburg setzt ihren Fokus deshalb auf Kinder und Bildung. Sie unterstützt die Schule St. Vinzenz der Barmherzigen Schwestern in Broumana oder das Bildungsprojekt Beth Aleph in Beirut. Beide nehmen vermehrt syrische Mädchen und Buben auf.  

„Gut, dass du wieder da bist, Frau Lehrerin“

Ursula Kelz hat St. Vinzenz und Beth Aleph als Privatperson besucht. Doch als Religionslehrerin teilt sie ihre Erfahrungen: mit ihren Kolleginnen und vor allem mit ihren SchülerInnen. „Gut, dass du wieder da bist, Frau Lehrerin“, hieß es da und die ersten Fragen ließen auch nicht lange auf sich warten. Das Interesse war groß. Mit ihrer Butterbrotaktion in der Fastenzeit haben die Bürmooser nämlich die Schule in Broumana unterstützt. Jetzt erfuhren sie aus erster Hand wie die Kinder in dem für sie mittlerweile gar nicht mehr so fremden Land leben und lernen.  

„Wie schauen die Schulen aus? In welcher Sprache wird unterrichtet? Wie ist es bei den Kindern daheim?“ Kelz berichtete, dass ein Teil der Libanesen gut lebe, aber viele mit sehr wenig auskommen müssten und dass die Kinder aus Syrien es besonders schwer hätten. Sie erzählte, dass ein Mädchen immer ihr Sandwich, dass sie als Jause in der Schule bekomme, nachhause mitnehme. Die Religionslehrerin erklärte natürlich, weshalb: „Weil sie weiß, dass ihre Mama und die Geschwis-ter hungrig sind und sie gewöhnt ist, dass alles in der Familie geteilt wird.“ Die Reaktion einer Bürmooser Volksschülerin: „Ich habe es so ja schön, immer genug zu essen und eine Menge Spielsachen.“  

Auch schwierigen Fragen wich Kelz nicht aus. Die Kinder wollten wissen: „Warum kämpfen die Menschen gegeneinander?“ Kelz versuchte, die Hintergründe, warum ein Krieg entsteht, zu erklären. Sie verwies außerdem auf die eigene Lebenswelt: „Denkt daran, wie es ist, wenn ihr euch streitet; da will oft keiner nachgeben und jeder Recht haben.“ Lange gesprochen wurde in den Klassenzimmern darüber, was es konkret heißt, dass Kinder nicht zur Schule gehen können. Die Konsequenzen waren schnell ausgemacht und ein Schüler stellte fest: „Ohne  lesen und rechnen kommt niemand weit, man kann keinen Beruf lernen. Alle sollen lernen dürfen. “

Butterbrottag für Flüchtlingskinder 

In Schule wie Internat der Barmherzigen Schwestern in Broumana sowie in der Vorschule Beth Aleph bekommen syrische Flüchtlingskinder eine gute Ausbildung – das Rüstzeug für ihre Zukunft. Ursula Kelz hat beide Häuser kennengelernt und mit eigenen Augen gesehen, wie gut investiert die Spenden der Fastenaktion sind und sie verspricht: „Wir werden an der Bürmooser Volksschule auch dieses Jahr wieder Butterbrote schmieren.“

Weitere Infos unter www.caritas-salzburg.at oder direkt bei der Auslandshilfe der Caritas Salzburg unter 0662/849373-171 oder auslandshilfe@caritas-salzburg.at

Foto: Ursula Kelz ist Religionslehrerin in Bürmoos. Vor kurzem war sie im Libanon und besuchte Schulen und Bildungsprojekte, die von der Caritas Salzburg gefördert werden.