„Diese Freundschaft trägt mich“

Bischof Toussaint Iluku Bolumbu leitet seit einem halben Jahr die Partnerdiözese Bokungu-Ikela 

Salzburg/Bokungu-Ikela. Bei einem Besuch berichtet der Herz-Jesu-Missionar von den großen Herausforderungen in seiner krisengebeutelten Heimat und wie er aus der Partnerschaft mit der Erzdiözese Salzburg Kraft schöpft. 

Zur Bischofsweihe vergangenen Juli war Weihbischof Hansjörg Hofer mit einer Delegation nach Bokungu-Ikela gereist. „Das zeigte mir wie tief die Partnerschaft mit Salzburg ist. Es war ein Zeichen, das mir sagte: Du bist als Bischof nicht alleine; da sind Freunde, die dich tragen.“ Mit diesen Worten würdigte Bischof Toussaint Iluku Bolumbu die Verbindung zwischen den Diözesen, die seit Jahrzehnten besteht. Er möchte den bisherigen geschwisterlichen Weg weitergehen. Gut könne er sich zudem vorstellen, dass wie in der Vergangenheit Schwestern oder Priester in Salzburg studieren. Benjamin Mpongo Emeke aus Bokungu-Ikela hat vor kurzem sein Studium abgeschlossen. „Danke für diese Form der Unterstützung. Das war eine sehr gute Investition. Benjamin hat in Salzburg gelernt, kehrt  nun zurück und gibt seine Erfahrungen in der Ausbildung von Seminaristen weiter.“

Nach seiner Weihe hat der neue Bischof mit einer Tour durch die Diözese begonnen. Dabei setzte er auf das Motorrad als Fortbewegungsmittel. „Manche Dörfer sind trotzdem nur schwer zu erreichen. Unsere Straßen und Brücken sind in keinem guten Zustand.“ Bewegend sei die Herzlichkeit der Menschen. „Sie haben mich als ihren Hirten empfangen. Und natürlich wie es im Kongo üblich ist, wurde getanzt und gesungen.“ Ihm sei aber bewusst, dass die Leute Erwartungen haben. „Was bringt der neue Bischof? Was verspricht er uns?“ Auch wenn diese Sätze nicht laut zu hören sind, in den Köpfen sind sie präsent. Der Bischof hält deshalb ganz klar fest:  „Die Evangelisierung ist erste Aufgabe der Kirche.“ Das Verkünden der Frohen Botschaft sei jedoch nicht von der sozialen Wirklichkeit loszulösen. „Es geht um ein menschenwürdiges Leben.“ 

Ohne Katecheten geht es nicht 

Bildung nennt Iluku Bolumbu als eine der großen Herausforderungen. Er möchte, dass die jungen Leute ihre Zukunft im Kongo sehen. „Sie müssen wieder daran glauben, in ihrer Heimat etwas erreichen zu können.“  Dass es hier große Anstrengungen braucht, sei allen bewusst. Die Schulen in der Diözese sind fast alle zerstört. „Die Kinder sitzen zum Lernen auf dem Boden. Das ist beeindruckend und herzzerreißend zugleich.“  Dazu komme, dass die Lehrer oft schlecht qualifiziert seien. „Wir haben also viel zu tun.“ Diese pragmatische Zusammenfassung hat beim Blick auf die Pfarren ebenfalls ihre Gültigkeit. Die Diözese Bokungu-Ikela ist flächenmäßig halb so groß wie Österreich, 30 Prozent der Menschen sind katholisch und 26 Priester stehen für 15 Pfarren zur Verfügung. Zu jeder Pfarre gehören zahlreiche „Kapellgemeinden“, in denen die Katecheten das christliche Leben prägen. „Sie sind für die Verwaltung zuständig, die Sakramentenvorbereitung und die Wortgottesdienste.“ Ihre Ausbildung ist ein Herzensanliegen des Bischofs. Deshalb steht die Neuorganisation der Katechetenschule auf seiner Prioritätenliste ganz weit oben. Bisher gibt es keine Katechetin in der Gemeindeleitung. Das soll sich ändern. „Gerade sind zwei Frauen in der Vorbereitung. Das ist mir wichtig. Frauen sollen mitgestalten und mitwirken.“

Kirche ist Stimme des Friedens 

Sorgenvoll fällt der Kommentar zur Lage im Nordosten aus. Der kongolesische Kardinal Fridolin Ambongo hat zum Jahreswechsel vor einem Zerfall des Kongos gewarnt. Drastisch schilderte davor schon Donatien Nsholé, der Generalsekretär der nationalen Bischofskonferenz, seine Einschätzung:  „Der Kongo wird zum Schlachtfeld auch für andere Länder, Uganda, Ruanda, es ist schwer zu akzeptieren.“ Der Priester sprach von einem „Business mit dem Blut der Kongolesen“ und bezog sich damit auf die rücksichtslose Ausbeutung des reichen Rohstoffvorkommens und den damit verbundenen Konflikten. Die Aufgabe der Kirche ist laut Partnerbischof Iluku Bolumbu eindeutig: „Die Kirche muss weiter die Stimme für Gerechtigkeit und Frieden sein und darf nicht schweigen.“

Hintergrund

Bischof Toussaint Iluku Bolumbu MSC wurde 1964 in Monieka (D. R. Kongo) geboren. Der Erzbischof von Kinshasa, Fridolin Ambongo Besungu OFMCap, spendete ihm am 21. Juli 2019 die Bischofsweihe. Salzburgs Partnerdiözese Diözese Bokungu-Ikela ist das „Ergebnis“ jahrzehntelanger Aufbauarbeit der Herz-Jesu-Missionare. Der erste Bischof war Josef Weigl MSC. Und auch der neue Bischof ist ein Herz-Jesu-Missionar. „Ich erbe eine Diözese mit enormen Herausforderungen: Pastoral, Evangelisierung, Ausbildung und Begleitung von Priestern. Und immer mehr entdecke ich das große Elend der Menschen, wenn ich ihre Dörfer besuche.“

Foto: Der gemeinsame Weg soll weitergehen, sagt Bischof Toussaint Iluku Bolumbu über die Partnerschaft zwischen Salzburg und Bokungu-Ikela.  „Ich bin sehr dankbar dafür.“ 

Foto: RB/ibu