Downsyndrom hat viele Gesichter

Elke Resl ist auf der Suche nach echten Momenten. Die Flughafenangestellte und zweifache Mutter hat sich seit einigen Jahren der Fotografie verschrieben. Ihre erste große Ausstellung widmet die 49-Jährige einem Thema, von dem in Österreich etwa 9.000 Menschen betroffen sind: Trisomie 21, besser bekannt unter Downsyndrom. Auch bei Resls Tochter Nina liegt das Chromosom 21 dreifach vor.  Zum Weltdownsyndromtag ab 21. März sind ihre Fotografien im Salzburger Bischofshaus zu sehen.

RB: Am 21. März ist Weltdownsyndrom-Tag. Ihre Bilder geben Betroffenen ein Gesicht. Seit wann ist das für Sie ein Thema? 

Resl: Seit der Geburt meiner Tochter be-schäftige ich mich damit. Dass ich einmal an einer Ausstellung zum Thema beteiligt sein werde, habe ich damals  noch nicht geahnt. Davor war mir „Downsyndrom“ natürlich ein Begriff. Aber ist die eigene Familie betroffen, ändert sich der Blick schlagartig. 

 
RB: Inwiefern?

Resl: Einerseits hat sich viel in der eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema  geändert. Als direkt Betroffene muss man sich informieren und vernetzen. Und andererseits zwingt einen das eigene Umfeld, die Menschen im Supermarkt und auf der Straße, dazu, sich zu positionieren. Es kommen Ratschläge, Fragen und kritische Blicke. Ich kenne Mütter, die eine Decke über den Kinderwagen gelegt haben, nur um den Blicken und Fragen aus dem Weg zu gehen. Das zeigt: Das Thema ist immer noch nicht ganz in unserer Gesellschaft angekommen und wird teilweise weiterhin tabuisiert. 

 
RB: Sie haben für dieses Foto-Projekt 26 Porträts von Menschen mit Downsyndrom gemacht. Was ist die Botschaft dieser Bilder?

Resl: Mit Porträts ist oft das Posieren verbunden und das Nachstellen von Situationen; damit kann ich ehrlich gesagt wenig anfangen. Das, was viele an Menschen mit Downsyndrom fasziniert, ist ihre authentische Freude – das ist es auch, was in der Öffentlichkeit stark wahrgenommen wird. Das heißt aber nicht, dass Kinder und Jugendliche mit Downsyndrom den ganzen Tag lang nur fröhlich sind; sie sind auch nachdenklich, wütend, unsicher, traurig und manchmal auch genervt. Was stimmt ist, dass sie sich nicht verstellen. Sie haben einen sehr starken Willen und wissen ganz genau, was sie wollen. Ich habe versucht, in den Fotos Momente abzubilden, in denen der Charakter der Kinder und Jugendlichen durchscheint, sei es beim Spielen, im Gespräch, beim Lachen und beim Nachdenken. Mir geht es um authentische Momente, die das Dynamische, das Lebendige dieser Kinder einfangen. 


RB: Das sieht man den Bildern an; der Mensch steht ganz klar im Vordergrund. 

Resl: Ich fotografiere gerne Personen, besonders Kinder. Ich bin überzeugt, dass durch die Fotografie der Charakter und die Vorzüge jedes Menschen durchscheinen können, dass man das Innerste der Menschen durch die Fotografie nach außen tragen kann. Ich schaue beim Fotografieren nicht so sehr auf das Technische. Das Wesentliche ist für mich, den richtigen Moment zu erkennen – und dann abzudrücken.

 
RB: Besonders ist auch das Format der Porträts…

Resl: Ja, genau. Sie sind quadratisch. Ich mag dieses Format und habe es schon bei anderen Projekten verwendet. Es wirkt sehr harmonisch, hat keine Ausrichtung und kommt gleich auf den Punkt. 

 
RB: Bei der Ausstellungseröffnung am 21. März werden Sie nicht die einzige in Ihrer Familie mit Lampenfieber sein, richtig?

Resl: Ja, meine Tochter wird mit zwei anderen Jugendlichen mit Downsyndrom die Vernissage moderieren. Sie hatte immer schon ein Gespür für die Sprache, hat Lieder und Gedichte auswendig gelernt. Ich freue mich mit den Kindern und Jugendlichen, die ich fotografiert habe, und ihren Familien diesen Tag zu erleben.

 

Bildtext: Ein Gespür für den richtigen Moment: Die Fotografien von Elke Resl zeigen Kinder und Jugendliche mit Downsyndrom beim Spielen, Lachen und Nachdenken. Foto: eds

 

Ausstellung

Weltdownsyndromtag. 

Vernissage: 21. März, ab 13.30 Uhr im Bischofshaus, 

Kapitelplatz 2, Salzburg

 
Programm: 

13.30 Uhr: Eröffnung

14.00 Uhr: Clowndoctors

15.00 Uhr:  KibelloHunde

 
Musik: 

∗ Die Kunterbunten 14er

∗ Inklusiver Chor der 

     NMS Diakonie

∗ Syrisch-österreichisches 

     Ensemble „amal“

 
Die Ausstellung läuft bis 20. April. Der Eintritt ist frei!