Dunkles Kapitel sichtbar

Am 30. April 1938 fand in Salzburg die größte Bücherverbrennung der Nationalsozialisten auf österreichischem Boden statt. 

Salzburg. Exakt 80 Jahre danach wurde nun endlich ein dem Geschehen würdiges Mahnmal der Öffentlichkeit übergeben.Rund 1.200 Bücher von politisch verfemten – überwiegend jüdischen und katholischen – Autorinnen und Autoren wurden damals nur wenige Wochen nach dem „Anschluss“ auf einem Scheiterhaufen nördlich des Residenzbrunnens öffentlich vernichtet. Der Nationalsozialistische Lehrerbund unter dem NS-Landesrat für Schulen und Kulturpolitik Karl Springenschmid hatte die Bücher aus Leihbüchereien, Buchhandlungen und privaten Haushalten zusammengetragen, die von Mitgliedern der Hitlerjugend ins Feuer geworfen wurden.

Seit Jahrzehnten wurde aus der Zivilgesellschaft ein Mahnmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung gefordert. Erst 2015 konnte sich die Stadtpolitik dazu entschließen, im Zuge der Neugestaltung des Residenzplatzes im Herzen der Mozartstadt auch ein Denkmal an das barbarische Geschehen zu errichten. Aus einem internationalen Wettbewerb mit mehr als 100 Einreichungen wählte der Beirat Kunst im öffentlichen Raum der Stadt das Konzept „Buchskelett“ der Künstler Fatemeh Naderi und Florian Ziller als Siegerprojekt. „Schwarz auf weiß illustriert, im Raum liegt das schwarze Buchskelett auf hellem Hintergrund – wie Bild und Text auf Papier. Das übrig gebliebene Buchskelett symbolisiert die Erinnerung daran“, beschreiben die Beiden ihre Skulptur. 

Um die Bedeutung des Erinnerns ging es auch beim Festakt vor der Enthüllung des Denkmals. „Erinnern ist niemals Selbstzweck. Wenn wir in die Vergangenheit blicken, setzen wir uns mit der Zukunft auseinander“, sagte die Direktorin des Hauses der Geschichte Österreich, Monika Sommer. Und der bekannte Schriftsteller und Märchenerzähler Michael Köhlmeier verwies auf die Bedeutung des Erzählens und Erinnerns in der Literatur und durch Bücher. Die Imagination – nicht zuletzt von Gegenentwürfen – sei die Aufgabe der Schriftsteller. roi

 

Bildtext: Florian Ziller und Fatemeh Naderi enthüllten gemeinsam mit Vizebürgermeister Bernhard Auinger (r.) das Denkmal zur Bücherverbrennung, am Rande des Residenzplatzes, das nun endlich dieses dunkle Kapitel in der Geschichte Salzburgs sichtbar macht. Foto: Stadt/Zuparic