Durchs gar nicht so wilde Kurdistan

Kurdistan-Reise mit der „Initiative Christlicher Orient“, kurz ICO.

Nordirak. „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.“ Und wer mit der „Initiative Christlicher Orient“, kurz ICO, unterwegs ist, kommt mit Einblicken in Land und Leute zurück, die keine Pauschaltour bieten könnte.  „Wobei es für unser Ziel, den Nordirak, sowieso keinen anderen Reiseanbieter gibt“, erklärt ICO-Referent Stefan Maier. Das Hilfswerk unterstützt den Wiederaufbau und schafft Perspektiven für christliche Familien. 

Nahost-Experte Maier schwärmt vom frühlingshaften Kurdistan, dem satten Grün im Tal und den schneebedeckten Berggipfeln. „Ich fühlte mich oft an Karl May’s ,Durchs wilde Kurdistan‘ erinnert. Wobei es mehr faszinierend als wild war“, schmunzelt Maier, der mit Reisenden aus Österreich, Deutschland, Belgien und der Schweiz die beeindruckende Landschaft erkundete. Die Fahrt durch die Autonome Region Kurdistan im Nordirak offenbarte aber auch die brisante politische Situation und die Lage der christlichen Minderheit. Aktuell gehören nur mehr 0,8 Prozent der 39 Millionen Einwohner im Irak zum Christentum, im Jahr 2003 waren es noch drei bis vier Prozent. Doch es gibt Lichtblicke: in den Dörfern Qarakosh oder Telskof kommen die von der Terrormiliz IS vertriebenen christlichen Familien wieder zurück. 

Der Arbeitsauftrag von ICO  lautet: informieren – besuchen – helfen. Wie Stefan Maier bekräftigt, orientierte sich die aktuelle Reise daran. „Die Teilnehmenden sollten aus erster Hand Infos über die Lage der bedrängten Christen und anderer Minderheiten wie der Jesiden erhalten. Besonders beeindruckend waren daher die Gespräche mit den Menschen unterschiedlichster Konfession und mit Kirchenvertretern“, berichtet Maier, der von einem starken und lebendigen Glauben spricht, der „uns zum Beispiel in der chaldäischen Pfarre Enishke beim Patroziniums-Fest zu Ehren des Hl. Georg begegnete oder bei der Erstkommunionsfeier in der Kathedrale von Dohuk“.  

Auf dem Programm standen zudem das malerische chaldäische Felsenkloster Rabban Hormiszd – ehemals Sitz des Patriarchen von Babylon – oder das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Mattai. Beide historischen Juwele sind knapp nicht in die Hände des Islamischen Staates (IS) gefallen. Nur wenige Kilometer entfernt, gelang es den kurdischen Peschmergas 2014, die IS-Terrormiliz zu stoppen. Dass der Nordirak nach wie vor keine Idylle und die Sicherheit äußerst fragil ist, zeigte eine Begegnung mit christlichen Inlandsvertriebenen. 18 Familien sind vor kurzem aus dem Dorf Sharanish geflohen, nachdem es zum dritten Mal von der türkischen Luftwaffe angegriffen wurde. Das Bombardement galt den in der Nähe versteckten PKK-Kämpfern. Zerstörungen im Dorf werden als Kollateralschaden verbucht. Diesmal ist niemand getötet worden. Doch die Angst vor einem  „nächsten Mal“ vertrieb die Menschen aus ihrer Heimat. Die entwurzelten Landwirte haben in der Stadt kaum eine Jobperspektive. ICO möchte ihnen unter die Arme greifen – mit Mietzuschüssen, damit sie wenigstens ein sicheres  Dach über dem Kopf haben. 

Arbeit hält die Menschen

Die Folgen der IS-Schreckensherrschaft im christlichen Dorf Telskof in der Ninive-Ebene sind noch allgegenwärtig.  Doch die Instandsetzungen schreiten stetig voran und das Wichtigste: 650 Familien (einst waren es 1.400) sind wieder zurückgekehrt und weitere 350 Familien aus Nachbardörfern haben sich nun in Telskof angesiedelt. Hilfsorganisationen unterstützten die Renovierung des Kindergartens und der Schule sowie von Privathäusern. Die ungarische Regierung finanzierte die Erneuerung der Georgskirche. ICO fördert in Telskof unter anderem Wirtschafts- und Arbeitsprojekte wie den Betrieb einer kleinen Industrieeisproduktion. „Einige Menschen haben so wieder Arbeit gefunden“, freut sich Stefan Maier, der weiß: „Wer ein geregeltes Einkommen hat, der bleibt in seinem Dorf.“

Spenden:  IBAN AT42 5400 0000 0045 4546; BIC OBLAAT2L; Kennwort: Nordirak. 

Weitere Infos: www.christlicher-orient.at

Foto: In Kurdistan leben die meisten Christinnen und Christen. Sie sind eine kleine Minderheit, die sich aber ein lebendiges Pfarrleben erhalten hat wie die Prozession zum Georgsfest in der Pfarre Enishke zeigt.

Fotos: RB/Stefan Maier