„Durst nach Frieden“

Friedenstreffen. 30 Jahre nach dem ersten Treffen kamen in der Stadt des hl. Franz von Assisi erneut mehr als 500 Delegierte von einem Dutzend Religionsgemeinschaften zusammen. In Zeiten des islamistischen Terrors wollten sie ein Zeichen gegen religiösen Fundamentalismus und für den Frieden setzen. Unter ihnen war der Pfarrer von St. Veit/Pongau, Dechant Alois Dürlinger, Assistent von Erzbischof Franz Lackner in Asyl- und Flüchtlingsfragen. Für das Rupertusblatt hat er seine Eindrücke zusammengefasst.

Assisi. „Durst nach Frieden“ – so lautete das Leitwort des 30. Weltfriedenstreffens vom 18. bis 20. September. Der hl. Papst Johannes Paul II. hat vor 30 Jahren erstmals nach Assisi eingeladen. „Durst“ steht für eine große Dringlichkeit, führt er doch viel schneller zum Tod als der Hunger. Die Anstrengungen, Frieden zu schaffen erlauben keinen Aufschub. In 30 Vortrags- und Gesprächsrunden wurde in großer Offenheit mit hoffnungsvollem Realismus auf die Kriegs- und Konfliktherde der Welt geschaut mit allen daraus entstehenden Folgen. Die große Migrationsbewegung war ein zent-rales Thema. Alle Experten von höchstem Rang waren sich einig, dass das Hochziehen von Mauern und Zäunen Migration weder dauerhaft stoppen, noch die auslösenden Gründe beheben kann.

Friedensappell der Weltreligionen

 „Wer die Augen vor anderen Religionen und Kulturen verschließt, der verschließt sie auch vor Gott.“ „Wie viele Inquisitionen brauchen wir noch bis zu der Einsicht, dass aller Glaube nur eine einzige Quelle in Gott hat.“

„Die Angst ist eine schwere Krankheit Eu-ropas, der keine Realität entspricht.“ „Ungarn mauert sich ein, veraltet, und braucht bald die Hilfe junger Menschen von außen.“ „Europa gleicht einer alten, unfruchtbaren Frau und hat ohne Migration keine Zukunft.“

So wichtig die Ausführungen der Vortragenden sowie von Papst Franziskus auch sind, den wahren Wert sehe ich in der Begegnung so vieler Menschen aus ganz vielen verschiedenen Religionen und Kulturen. Am Abschlusstag gab die Anwesenheit des Papstes dieser Zusammenkunft ein besonderes Gewicht. Die Art wie er den Menschen begegnet, wie er mit Selbstverständlichkeit ohne Podest und ohne Thronsessel mit den anderen in einer Reihe sitzt und offenbar mit jedem eine Sprache findet hat ihn längst zu einer Weltautorität werden lassen. Ein zum Abschluss verlesener Friedensappell wurde zusammen mit einem Olivenzweig von den Religionsvertretern an Kinder übergeben, welche ihn an die politischen und diplomatischen Repräsentanten weitergaben.

Das Gebet begleitet und trägt 

Mehr als 30 Jahre ist das gewachsen, was mit dem „Geist von Assisi“ beschrieben wird. Die Gemeinschaft Sant‘Egidio  – vor 48 Jahren in Rom gegründet – trägt und organisiert die Treffen. Rund 60.000 Menschen in 73 Ländern der Welt leben in dieser Gemeinschaft eine besondere Freundschaft mit den Armen, bemühen sich um die Weitergabe des Evangeliums, die Ökumene und den Dialog zwischen den Religionen. Das Gebet begleitet und trägt alle Gemeinschaften im Angesicht einer Ikone des Antlitzes Jesu Christi als sichtbares Zeichen der Zusammengehörigkeit. Ich kenne und schätze die Gemeinschaft Sant‘Egidio  seit meiner Studienzeit in Rom vor 35 Jahren. Auf besonderen Wunsch von Erzbischof Franz Lackner wollen wir versuchen, eine solche Gruppe auch in Salzburg zum Keimen zu bringen. Die Ikone für die Gebetstreffen in der Stadt Salzburg – die Termine werden im Spätherbst bekannt gegeben – hat mich von Assisi heimbegleitet nach Salzburg. Mitgereist ist auch die trostvolle Hoffnung, dass Gott der Welt durch Menschen die den Frieden wirklich lieben und leben einen Weg weist und den „Durst nach Frieden“ stillt. 

Im Krieg sind alle Verlierer

Auf die syrische Stadt Aleppo gehen seit Tagen die schwersten Luftangriffe seit Kriegsbeginn nieder. Das Leiden der Menschen ist unbeschreiblich. Diese Bomben zeigen wie aktuell und notwendig die Weltgebetstreffen der Religionen und Konfessionen sind, auch dreißig Jahre nach ihrer Begründung durch Papst Johannes Paul II. Mit einem „Nein zum Krieg“ haben Vertreter aller Weltreligionen auch das dreitägige Friedenstreffen in Assisi beendet. Zugleich riefen die geistlichen Oberhäupter die Regierenden und politischen Verantwortungsträger auf, Konfliktursachen wie Machtgier und Waffenhandel, aber auch Armut und Ungleichheit zu beseitigen. „Im Krieg sind alle Beteiligten Verlierer, auch die Sieger“, heißt es in dem Dokument. Niemand könne sich auf Gott berufen, um Terrorismus, Gewalt oder Krieg zu rechtfertigen. „Ein Krieg im Namen der Religion richtet sich gegen die Religion selbst.“

Foto (KNA): Mit einer Zeremonie vor der Basilika San Francesco in Assisi endete das Friedenstreffen.

Kontakt: Sant‘Egidio-Gruppe in Salzburg, Dechant Mag. Alois Dürlinger, alois.duerlinger@kirchen.net

 

 

Weltgebetstreffen für den Frieden vor der Basilika San Francesco in Assisi am 20. September 2016.