Ein Abend der Einmischung

Menschenrechte. Unter dem Motto „(Un)erwünschte Einmischung? Menschenrechte vor Ort“ wurden zwei Publikationen in St. Virgil präsentiert.

 

 

Salzburg. Die „Allgemeine Er-klärung“ der UN ist 70 Jahre jung. Salzburg ist seit zehn Jahren Menschenrechtsstadt. Dennoch sind Menschenrechte in der Debatte wie kaum jemals zuvor. Wer sich auf lokaler Ebene für Menschenrechte, etwa von Geflüchteten, einsetzt, erntet nicht nur Beifall.

Der maßgeblich von Günther Marchner verfasste „Salzburger Menschenrechtsbericht 2018“ ist heuer, zum zehnjährigen Jubiläum der Menschenrechtsstadt Salzburg, besonders dick. Konzentriert hat sich Marchner bewusst auf so genannte verletzliche Gruppen – die Gruppen der Notreisenden, der Sexdienstleisterinnen, der Geflüchteten, der Muslime, der Menschen aus dem afrikanischen Kontinent und auf Armutsgruppen. Denn diese würden von der Allgemeinheit noch nicht ausreichend wahrgenommen.

Außerdem präsentierte Josef Mautner sein Buch „Regionale Menschenrechtspraxis“. Dieses sei aus der Praxis der Plattform für Menschenrechte erwachsen. In 19 Jahren ist ein breites Netzwerk rund um diese Plattform entstanden, aus dem sich Autoren und Themen des Buchs fanden. Mautner befasst sich in seinem Buch mit den Herausforderungen Rassismus, Religionsfreiheit/Religiöse Vielfalt, Flucht/Asyl und Armut, sucht nach Antworten und zeigt mögliche Perspektiven auf. „Rand und Mitte bilden eine Gesellschaft. Und so wie wir mit den
Rändern umgehen, so bilden, bauen wir Gesellschaft“, ist Mautner überzeugt.

In einer Podiumsdiskussion wurden schließlich Möglichkeiten und Grenzen lokaler Menschenrechtspraxis aus verschiedenen Perspektiven diskutiert. Pfarrer Dürlinger, Flüchtlingsbeauftragter der Erzdiözese, ist beispielsweise in seinem Umfeld bekannt für seinen zivilen Ungehorsam. Er setzt sich unter anderem für Notreisende ein, die beim Übernachten im Freien gegen die Campierverordnung verstoßen haben und 200 Euro Strafgeld zahlen mussten. Dürlinger plädiert für ein waches Hinschauen, denn: „Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen“, zitiert er den Physiker Albert Einstein.

Foto: Ursula Liebing (l.), Josef Mautner (3. v. l.) und Günther Marchner (r.), Plattform für Menschenrechte, Pfarrer Alois Dürlinger (2. v. l.), Salzburgs Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer (Mitte), Simone Philipp (3. v. r.), Universität Graz, Heinrich Schmiedinger (2. v. r.), Rektor der Universität Salzburg.

Foto: RB/ihi