Ein Fasten für die Augen

Fastentücher gehören zu den ältesten Zeugnissen von Glaube, Kultur und Brauchtum.

Die fast ein Jahrtausend alte Tradition geht auf den jüdischen Tempelvorhang zurück, der im Neuen Testament im Zusammenhang mit dem Kreuzestod Jesu mehrfach erwähnt wird. Seine Ursprünge hat das Fastentuch in den so genannten Passionstüchern. Mit ihnen wurden vor Ostern Gegenstände wie Altar, Kreuze, Reliquienschreine und Bilder verhüllt. Der strahlende Glanz dieser Gegenstände sollte in der ernsten Fastenzeit nicht zu sehen sein. 

Mittlerweile erleben Fastentücher eine Renaissance. Nach dem II. Vatikanischen Konzil wurde der Brauch durch eine bischöfliche Aktion 1967 neu belebt. In Österreich entstanden in den vergangenen Jahren durch Gegenwartskünstler neue Fastentücher. Eine von ihnen ist Else Seidl (l.), die von 2014 bis 2016 in mühevoller Kleinarbeit das Telgter Hungertuch von 1623, eines der bedeutendsten religiösen Kulturgüter Westfalens, nachgearbeitet hat. Das 4,5 mal 2,5 Meter große Tuch  ist während der Fastenzeit beim Schneeherren-Altar im Salzburger Dom zu bewundern. Foto: Roithinger