Ein Gewand aus Pinselstrichen

Sie gehört zu den wichtigsten Tätigkeiten eines Museums – und zu den unauffälligsten: die Erhaltung der Kunstschätze. Im Dommuseum hatten nun Besucher die einmalige Gelegenheit einer Restauratorin bei der Arbeit über die Schulter zu blicken.

 

 

Salzburg. Für Martina Spiegl ist es nichts Ungewöhnliches, ein Museum zu ihrem Arbeitsplatz zu machen, für die Besucher des Dommuseums dafür umso interessanter: „Die Wenigsten wissen, was eine Restauratorin tatsächlich macht“, sagt Spiegl, während sie sich mit feinen Pinselstrichen voran arbeitet. In den vergangenen Wochen frischte die Wiener Restauratorin die Figurengruppe des heiligen Rupert und seine Gefährten Chuniald und Gislar auf, die um 1440 entstanden ist und ursprünglich am Rupertusaltar des romanischen Domes gestanden haben dürfte. 

Als der Dom um 1600 abgebrochen wurde, fanden  die lebensgroßen Holzskulpturen ein Zuhause in der Seekirchener Filialkirche Mühlberg, für einige Zeit sogar im Tresorraum der dortigen Bank. „Diese ungünstigen Lagerbedingungen zeigen sich noch heute“, erklärt der Direktor des Dommuseums Reinhard Gratz. Durch die trockene Luft schrumpfte das Holz, tiefe Risse bildeten sich, die Lackierung warf Blasen – neben dem Gewicht ist auch das ein Grund für den Einsatz für Ort: „Beim Transport wäre sicher ein Gutteil der Farbe abgesplittert.“

Bei ihrer Arbeit an den Holzfiguren setzt Spiegl auf natürliche Materialien. Den Kitt aus Leim und Kreide, den sie in kleinere Risse streicht, rührt sie selbst an. Den Anstrich frischt sie mit lichtechten Aquarellfarben auf. „Holz hört nie auf zu arbeiten. Durch ideale klimatische Bedingungen, wie sie im Dommuseum vorherrschen, dürfte die Figurengruppe aber für die nächsten 100 bis 150 Jahre ohne Ausbesserungsmaßnahmen auskommen“, ist die Restauratorin überzeugt.

Es ist eine ruhige Arbeit, die Geduld braucht – und ein gutes Auge. Es grenzt oft an Detektivarbeit, herauszufinden, wie ein Objekt im Original ausgesehen hat: Blau und Rot bleichen im Sonnenlicht aus, genauso wie Brauntöne. Hier tut sich die Restauratorin leichter: Das Grün am Gewand des heiligen Rupert dürfte einst blaustichiger gewesen sein, wie Farbreste in den Falten zeigen. „Oft geht es nur darum einen Schritt zurück zu tun, zu überlegen, ob etwas natürlich aussieht“, sagt sie und schmunzelt über das Rouge auf den Wangen und Lippen von Chuniald: „Das muss bei einer der früheren Restaurierungen passiert sein.“ Heute gehe es nicht mehr darum, sich selbst einzuschreiben, sondern behutsam zu arbeiten, zunächst Staub und Schmutz zu entfernen, Farben aufzufrischen, dem Objekt nicht seine Geschichte zu nehmen.  

Weitere Projekte stehen an

„Es ist die wichtigste Aufgabe eines Museums, seine Artefakte zu erhalten – aber auch eine nie enden wollende, die von beträchtlichen finanziellen Mitteln abhängig ist“, gibt Direktor Gratz Einblick in seinen Arbeitsalltag. Von den anstehenden Projekten eines der nächsten und bedeutendsten ist die Restaurierung des Rupertuskreuzes in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt.

Fotos (sab): An der Figur des hl. Gislar (l.) arbeitete Martina Spiegl in ihrer ersten woche im Dommuseum. Ihre Ausbesserungsarbeiten sind behutsam und doch deutlich sichtbar.

Als Restauratorin braucht es ein gutes Auge und eine ruhige Hand. Martina Spiegl machte sich nach ihrem Lehrauftrag an der Universität für angewandte Kunst in Wien vor acht Jahren als Restauratorin selbstständig. Seitdem hat sie sich in der Zusammenarbeit mit dem Dommuseum bewährt.