Ein Lied für jede Seinslage

Jubiläum. Christine Riedl leitet den Franziskuschor Seekirchen seit seiner Gründung. Heuer feiert der Chor sein 25-Jahr-Jubiläum

RB: Was zeichnet den Franziskuschor aus?

Christine Riedl: Fröhlichkeit und Ausstrahlung von Spiritualität. Es singen hier Menschen, die einen tiefen Glauben und Vertrauen in eine göttliche Führung aufgebaut haben und dies durch die Musik ausdrücken wollen. Wir werden regelmäßig von Instrumentalisten begleitet – von Gitarre, Blöckflöte, Querflöte, Akkordeon, Harfe oder Orgel.

RB: Was ist euer Repertoire?

Riedl: Wir singen hauptsächlich neues geistliches Liedgut, aber auch Volkslieder, Jodler, klassische Lieder, Spirituals, afrikanische Lieder, viele Lieder aus Taizé – uns ist der ökumenische Ansatz sehr wichtig –  und auch zweimal im Jahr lateinische Messen. 

RB: Wie setzt sich der Chor zusammen?

Riedl: In unserem Chor singen 39 Frauen und 14 Männer im Durchschnittsalter von 61 Jahren. Unser ältestes Chormitglied ist der 90-jährige Leo, der mit seiner nur mehr zehnprozentigen Sehleistung mit großer Begeisterung alles auswendig singt. Die Sängerinnen und Sänger kommen aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen und hauptsächlich aus Seekirchen.

RB: Wo und wie oft tretet ihr auf?

Riedl: Wir treten etwa 43-mal im Jahr auf. Hauptsächlich bei Gottesdiensten, Begräbnissen und gelegentlich Taufen und  Hochzeiten in der Stiftspfarrkirche Seekirchen. Zweimal im Jahr singen wir beim Heilungsgottesdienst in der Großgmainer Kirche. Seit 2005 singen wir beim Laurentiusfest in der Franziskanerkirche.

RB: Sie feiern in Kürze 25-Jahr-Jubiläum. Was hat sich in den vergangenen 25 Jahren verändert?

Riedl: Die Anfänge waren sehr hart – begonnen haben wir mit acht Leuten. Manchmal war kein einziger Bass dabei. Nach zwei Jahren waren wir schon 20. Da ging es schon viel leichter. Der Chor ist kontinuierlich gewachsen. Das Repertoire ist von der Ausrichtung her ähnlich geblieben, aber ebenfalls stetig angewachsen – unsere Chormappe hat mittlerweile über 200 Nummern. Unsere Gemeinschaft und der Zusammenhalt sind stetig gewachsen. Wir haben schöne Reisen gemacht: zum 10-jährigen Bestehen waren wir in Assisi, zum 20-jährigen in Bingen.

RB: Wie werden Sie das 25-Jahr-Jubiläum feiern?

Riedl: Mit einer Chorreise nach Worms, und mit einem Abendgottesdienst mit anschließendem Jubiläumskonzert in der Stiftspfarrkirche Seekirchen – mit zahlreichen Liedern von unserer Lieblingskomponistin Kathi Stimmer-Salzeder.

RB: Was wünschen Sie sich für die nächsten 25 Jahre?

Riedl: Ich bin jetzt 58 Jahre alt und werde den Franziskuschor voraussichtlich noch fünf Jahre leiten. Ich wünsche Menschen, die ihre musikalischen Fähigkeiten in unserem Ort einsetzen und auch den Mut finden, die Leitung einer Chorgemeinschaft zu übernehmen. Eine Vision von mir: viele kleine Chorgemeinschaften in unserem Ort, die sich immer wieder zu einem großen Chor vereinen.

RB: War es vor 25 Jahren leichter, Nachwuchs zu bekommen?

Riedl: Es ist heute sicher schwieriger, Nachwuchs zu finden. Junge Menschen sind sehr beschäftigt und wollen sich auf die Regelmäßigkeit nicht mehr einlassen. Auch die Termine an denen wir singen (vormittags) sind nicht jugendgerecht.

RB: Was sind Sie im Hauptberuf?

Riedl: Ich bin Gitarrenlehrerin am Musikum Seekirchen und Eugendorf und leitete siebzehn Jahre lang die Singschule mit Kindern im Volksschulalter.

RB: Was motiviert Sie als Chorleiterin?

Riedl: Die Freude am mehrstimmigen Singen. Die Möglichkeit durch unsere Lieder positives Gedankengut zu verbreiten und die Herzen der Menschen zu erreichen. Es motiviert mich, dabeizusein, wenn Menschen ihre lebenswichtigen Rituale feiern und beispielsweise bei Begräbnissen Trauernde mit unseren Liedern zu trösten und zu begleiten.

RB: Was sind die Herausforderungen, was das Schönste an Ihrer Arbeit?

Riedl: Herausforderung ist, einen schönen Chorklang zu kreieren mit Menschen, die aus dem Alltag kommen und keine ausgebildete Stimme haben; auch die Stunde vor dem Auftritt so zu gestalten, dass wir dann wirklich mit Körper, Seele und Geist singen können; und die passende Liedauswahl für den jeweiligen Termin zu finden. Nach einem gelungenen Gottesdienst schütten wir alle Glückshormone aus – das alleine ist schon Geschenk genug.

RB: Was bedeutet Ihnen Musik ganz persönlich?

Riedl: Ohne Musik wäre ich nicht lebensfähig. Sie stellt für mich eine direkte Verbindung mit dem göttlichen Ursprung dar. Ich habe für jede Seinslage ein oder mehrere Lied(er) in meinem Inneren bereit.

RB: Wie kann man Mitglied des Franziskuschores werden?

Riedl: Indem man einfach am Dienstag um 19.30 Uhr zur Probe in den Pfarrsaal kommt und idealerweise vorher mit mir unter 0650/6554000 Kontakt aufnimmt.

RB: Wieso heißt der Chor Franziskuschor? 

Riedl: Ich war 1994 mit dem Eugendorfer Kirchenchor auf einer Besinnungswoche in Assisi, wo wir uns viel mit dem hl. Franziskus auseinandersetzten. Danach wurde ich gefragt, ob ich mit ein paar sangesfreudigen Leuten regelmäßig proben würde. Inspiriert von der Assisi-Reise taufte ich ihn kurzerhand Franziskuschor. Der hl. Franziskus ist in seiner Einfachheit, Fröhlichkeit und Naturverbundenheit unser Vorbild.

Foto: Der Franziskuschor bei der musikalischen Gestaltung einer Firmung in der Stiftpfarrkirche Seekirchen.

Foto: RB/Moser