Ein nahrhafter Lichtblick für jeden Tag

Hunger.  „Früher sind Kinder im Unterricht immer wieder eingeschlafen vor Hunger“, berichtet Stefan Maier, Leiter der Auslandshilfe der Caritas Salzburg. Eine simple aber wirksame Maßnahme hat alles verändert: Das tägliche Frühstück – für Kinder in Österreich und Europa nicht der Rede wert, für die sudanesischen Flüchtlingsmädchen und -buben in Kairo bleibt es oft die einzige Mahlzeit am Tag. 

Salzburg. Die Kinder, die in den Schulen der Comboni-Missionare in der ägyptischen Hauptstadt die Schulbank drücken, sind mit ihren Familien aus dem Südsudan geflohen. Der jüngste Staat der Welt ist geprägt von Gewalt und von einer anhaltenden Hungersnot: Seit vier Jahren leidet die Bevölkerung unter einem Bürgerkrieg.  

Die Menschen, die aus dem Südsudan fliehen, haben alle das gleiche Ziel: Ein Leben ohne Krieg und Hunger. Viele stranden in Ägypten. „Doch den Ägyptern geht es selber schlecht. Die Arbeitslosigkeit ist hoch“, weiß Stefan Maier. Die Flüchtlinge seien im Verteilungskampf ums Überleben am unteren Ende der Gesellschaft zu finden.  Sie haben keinen legalen Zugang zum Arbeitsmarkt, zu staatlichen Schulen oder medizinischer Versorgung. Die Mehrheit lebt in überfüllten Wohnungen in den Armenvierteln der Stadt. 

Schulfrühstück zeigt Wirkung

Die Comboni-Missionare geben den Kindern mit Bildung die Chance auf eine bessere Zukunft. „Der Schulbesuch bringt Stabilität und Sicherheit in das Leben der Flüchtlingskinder zurück. Bildung ist wichtig für ihre psychologische, spirituelle und soziale Entwicklung. Wir mussten jedoch zuerst die nötige Grundlage schaffen, damit die Kinder überhaupt dem Unterricht folgen konnten“, so Direktor Pater John. Die Eltern sind froh, eine Schuljause können sie ihrem Nachwuchs aber nicht mitgeben. Weil es sich mit leerem Magen bekanntlich schlecht lernt reagierte P. John und führte das Schulfrühstück  ein. Die Caritas Salzburg finanziert in ihrem Schwerpunktland Ägypten in den beiden Schulen St. Lwanga und St. Joseph  die Mahlzeiten für 850 Kinder von sudanesischen Flüchtlingen und ArbeitsmigrantInnen. Täglich werden Fladenbrote gefüllt mit Mais- oder Bohnenbrei sowie Milch ausgegeben. Das Essen liefert wertvolle Nährstoffe und trägt zum verbesserten Gesundheitszustand der Mädchen und Buben bei. „Viele Kinder kommen überhaupt erst in die Schule, weil sie hier etwas zu essen bekommen. Wenn die monatliche Miete bezahlt ist, bleibt den meisten sudanesischen Familien kaum Geld für Nahrungsmittel“, erzählt Maier. „Als es noch kein Essen gab, kamen Kinder oft müde und hungrig an. Sie schliefen ein und waren zu schwach, um dem Unterricht zu folgen. Heute haben sie die nötige Energie zum Lernen und sind motiviert.“ Das Schulfrühstück reduzierte die Zahl der SchulabbrecherInnen stark. Heuer werden 23 SchülerInnen nach dem Ende des Schuljahres auf die Universität wechseln können.  

Das Schulzentrum St. Lwanga der Comboni-Missionare in Kairo befindet sich inmitten der sudanesischen Communities und ist damit ein wichtiger sozialer und kultureller Treffpunkt. Im Umfeld der Schulen stehen auch Bildungsangebote für Erwachsene wie Gesundheits- und Ernährungsseminare sowie Beratung und materielle Hilfestellung in Notfällen zur Verfügung.

Nyibol will Ingenieurin werden

Nyibol ist eine der Schülerinnen, die einen Schulplatz bei den Comboni-Missionaren hat. „Meine Mutter kommt erst spät abends von ihrer Arbeit als Haushaltshilfe nach Hause. Tags-über muss ich mich um meine Geschwister kümmern.“ Trotzdem verliert die 17-Jährige das Lernen nicht aus den Augen. Sie weiß wie wichtig Bildung für ihre Zukunft ist. Nyibol geht in die 4. Klasse im St. Lwanga Lernzentrum. Mit ihrer Mutter und drei jüngeren Geschwistern lebt sie in einer winzigen Wohnung in Kairo, alle schlafen auf dem Boden. Vor einigen Jahren floh die Familie vor den Kriegswirren im Südsudan nach Ägypten. Der Vater blieb im Bürgerkriegsland zurück. Nyibol weiß nicht, wie es ihm geht, nur, dass er noch am Leben ist. Der geringe Verdienst der Mutter reicht nur für karge Mahlzeiten, ausreichend zu essen ist selten da.  

Nyibol liebt die Schule und kommt jeden Tag gerne ins Lernzentrum. Nicht zuletzt wegen des nahrhaften Frühstücks, das an allen Schultagen verteilt wird. Für Nyibols Mutter ist dieses fixe tägliche Essen für ihre Tochter eine finanzielle Erleichterung und bedeutet eine Sorge weniger: Sie weiß, dass ihr Mädchen gestärkt in den Tag starten kann. Für die Zukunft hat Nyibol bereits konkrete Pläne: Sie möchte studieren, Ingenieurin werden und ein gutes Leben haben. 

Hinschauen und handeln

Alle zehn Sekunden stirbt weltweit ein Kind an Hunger und Unterernährung. „Wir können nicht alle retten. Aber jeder kann ein wenig tun“, unter-
streicht Kardinal Christoph Schönborn und appelliert an die Menschen, die Caritas in ihrem Einsatz in den Hunger-Regionen Ostafrikas zu unterstützen.  Auch der Salzburger Caritas-Direktor Johannes Dines verweist auf die Notwendigkeit des Hinschauens und Handelns: „Hunger ist eine globale Tragödie, denn jeder Mensch hat das Recht auf Nahrung. Unser gemeinsames Ziel ist eine Zukunft ohne Hunger.“

Die Caritas Salzburg legt neben der akuten Nothilfe in Ostafrika ihr Hauptaugenmerk auf ihre Schwerpunktländer Libanon, Syrien und Ägypten. In der ägyptischen Hauptstadt wird für 850 Flüchtlingskinder ein nahrhaftes Schulfrühstück finanziert. Damit das Projekt weitergeht, braucht es Spenden.  

Ein Schulfrühstück für ein Kind kostet 6 Euro pro Monat.

60 Euro sichern einem Kind ein Schuljahr lang die Schuljause.

25 Euro versorgen ein Kind für einen Monat mit Essen.

Tipp: Weitere Infos zur Hungerhilfe der Caritas und Online-Spenden unter www.caritas-salzburg.at

Fotos (Philipp Benedikt/Caritas Salzburg): Für viele der sudanesischen Flüchtlingskinder ist das Schulfrühstück die einzige warme Mahlzeit des Tages. 

 

Für eine Zukunft ohne Hunger

Salzburg. Er sei sich dessen bewusst, „dass wir in Europa ein priviligiertes Leben führen – dazu beigetragen, dass wir hier geboren sind, haben wir nichts“. Deshalb sei er sehr dankbar, „dass ich in Österreich aufwachsen konnte. Und ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, jetzt Menschen zu helfen“, betont Christian Kain. Der Salzburger ist Geschäftsführer von Kain Audio-Technik und seit längerem treuer Spender  der Auslandshilfe der Caritas Salzburg. Konkret fließen seine Spenden seit drei Jahren in das Schulfrühstück für sudanesische Flüchtlingskinder in Kairo. „Die Vorstellung, dass Kinder vor Erschöpfung und Hunger im Unterricht einschlafen hat mich dermaßen schockiert, dass ich etwas dagegen tun wollte“, erklärt Kain, der insgesamt die Solidarität der ÖsterreicherInnen lobt. „Ich habe aber das Gefühl, wenn es über die Landesgrenzen hinausgeht, nimmt die Spendenfreudigkeit ab. Deshalb wollte ich einen Contra-Punkt setzen.“ Bei der Caritas habe er das Vertrauen, dass die Gelder nicht versickern, „sondern wirklich etwas bewirken“. Angesichts der großen Not in der Welt – in Afrika sind 20 Millionen vom Hungertod bedroht – fordert Unternehmer Kain zum Handeln auf: „Alle zusammen können wir etwas bewegen.“  Die 0, 41 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), die Österreich für Entwicklungshilfe bereitstellt, halte er jedenfalls für „beschämend“. Er selber werde weiter das Schulfrühstück der Caritas in Kairo unterstützen.