Ein neuer Mittelpunkt für Brixen

Wo bis vor einem Jahr noch der Zahn der Zeit nagte, ist nun ein restaurierter, sanierter und den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechend gestalteter Mittelpunkt für das Leben in der Gemeinde Brixen im Thale entstanden: Im denkmalgeschützten Dechantstall haben die Krabbelstube und die Musikkapelle ein neues Zuhause gefunden.

 

 

Brixen im Thale. Kleine Veränderungen, große Wirkung: Bis in die 1960er Jahre wurde der Dechantstall landwirtschaftlich genutzt, seitdem stand das Gebäude leer. DIN A4 Architektur hat nun das identitätsstiftende schlichte Stallgebäude im Ortskern im vergangenen Jahr gemeinsam mit Bauleiter Alois Fuchs aus der Wildschönau und dem gesamten Planerteam in einen Treffpunkt für die Brixener verwandelt. Für die Musikkapelle entstanden im ehemaligen Tennenbereich in den Obergeschossen ein Probelokal und Proberäume, die auch von der Musikschule mitgenutzt werden. Das alte Probe­lokal der Bundesmusikkapelle Brixen war förmlich aus allen Nähten geplatzt, die 80 aktiven Musikanten hatten kaum noch Platz gefunden. „Anstatt ein neues Gebäude zu errichten, haben wir uns entschlossen, den Dechantstall zu restaurieren und den Anforderungen der neuen Nutzer anzupassen“, erklärt Bürgermeister Ernst Huber. Im ehemaligen Stall befinden sich der Aufenthaltsraum sowie der große Probe- und Aufführungsraum der Musikkapelle. Über dem Aufenthaltsraum liegt eine offene Galerie mit Notenarchiv und dem Büro des Kapellmeisters.

Raumprobleme hatte auch die ortsansässige Krabbelstube, die bis vor kurzem in einer Wohnung untergebracht war. Die Kinder haben nun im vorderen Teil des Dechantstalls auf 150 Quadratmetern viel Platz zum Erkunden und Spielen.

„Alte Hülle“, neuer Kern

Während sich das Gebäude im Inneren komplett verändert hat, ist die Außenansicht gleich geblieben, das alte Dach blieb erhalten, statisch verstärkt – immerhin steht der Dechantstall unter Denkmalschutz. „Der gesamte ehemalige Stallbereich wurde mit einer überwiegend geschlossenen Fassade in Holzbauweise ausgeführt. Fenster zur Belichtung wurden geschickt hinter stehenden Holzlamellen versteckt. Der vordere, bewohnbare Bauteil mit Sockelmassivgeschoss und obergeschos-sigem Massivbau blieb in seiner Gesamtstruktur und Materialität innen wie außen erhalten. Auch der hintere Gebäudeteil wurde nur geringfügig verändert“, erklärt Markus Prackwieser von DIN A4 Architektur. Für angenehme Temperaturen im Haus auch im Winter sorgt die Hackschnitzelanlage der Volksschule, die genug Wärme für beide Einrichtungen produziert. 

Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf etwas mehr als zwei Millionen Euro. Die Finanzierung der Sanierung und des Ausbaus des vorderen Drittels, dem alten Bauernhaus mit einem erlaubten Freizeitwohnsitz, übernimmt die Erzdiözese, mit der die Gemeinde Brixen auch einen Baurechtsvertrag über 50 Jahre unterzeichnet hat. 700.000 Euro steuert die Gemeinde bei. Das Land Tirol als Fördergeber macht mit der Zusage von 600.000 Euro den Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes erst möglich. Beteiligt an den Förderungen sind die Landes- gedächtnisstiftung, die Dorferneuerungsabteilung, die Kultur- und Bildungsabteilung und der Gemeindeausgleichsfond. sab

 

Fotos (Norbert Freudenthaler): Im vorderen Teil des Dechantstalls finden die Kinder der Brixener Krabbelstube viel Platz zum Spielen. 

Das Obergeschoss ist mit Probelokalen und -räumen für die 80 Musiker der Bundesmusikkapelle Brixen ausgestattet.