Ein offenes Ohr in allen Lebenslagen

Drei Jahre gibt es die Stelle „Kirche Direkt“ inzwischen. Täglich wenden sich Menschen in persönlich schwierigen Lebenssituationen oder mit Fragen rund um den Glauben an Ombudsmann Otmar Stefan. In den vergangenen zwölf Monaten hat er 359 Personen intensiv beraten.

Salzburg. Das Miteinander in der Erzdiözese ist nicht immer frei von Reibereien: Pfarrerwechsel, die heftige Reaktionen auslösen, wie zuletzt in St. Gilgen, die Flüchtlingsthematik, Fragen rund um den Glauben. „Oft sind diese Konflikte verbunden mit Kirchenaustrittsdrohungen“, erzählt Katholikenanwalt und Ombudsmann Otmar Stefan. Er hat als Leiter der Stelle „Kirche Direkt“ ein offenes Ohr für Anliegen und Probleme der Menschen, die sonst oft untergehen würden – am Telefon, im Gespräch vor Ort oder schriftlich. „Die allermeisten Fälle brauchen Zeit, Zeit, die man sich auch nehmen muss, oft verbunden mit beträchtlichen emotionalen Reaktionen.“

Nach drei Jahren ist die Einrichtung der Erzdiözese etabliert, wird täglich von Gläubigen kontaktiert, aber auch von Einrichtungen der Kirche als Anlaufstelle bei schwierigen Fällen konsultiert – vor allem von den Kirchenbeitragsstellen. „Die Mitarbeiter in den Kirchenbeitragsstellen müssen im Umgang mit den Menschen oft viel Geduld aufbringen. Gewisse Situationen überfordern – besonders, wenn es um Fragen geht, die über Kirchenbeitragsberechnungen hinausgehen. Wenn ich als Katholikenanwalt hinzugezogen werde, sprechen die Menschen dann manche Probleme tatsächlich offener an.“

Um Versöhnung bemüht

Als Katholikenanwalt beschäftigt sich Stefan auch mit Wiedereintritten in die Kirche, Austrittswiderrufen sowie Fällen, wo bereits Ausgetretene noch einmal ihre Gründe für den Austritt darlegen. Neben dem Kirchenbeitrag werden häufig Kirchenthemen und Glaubensfragen als Austrittsgrund genannt. „Ziel all meiner Bemühungen ist es nach wie vor, dass Menschen in einer zumindest teilweisen Versöhnung mit der Kiche weggehen – mit der Option, vielleicht eines Tages wieder zurückzukehren.“

Allgemein bemerkt der Ombudsmann: „Das Bedürfnis, sich Belastungen von der Seele reden zu können, nimmt zu. Die seelische Not dieser Menschen ist deutlich zu spüren – sie hoffen Wege zur Konfliktbewältigung aufgezeigt zu bekommen, erwarten geistliche Hilfe zur Neuorientierung, die hilft den Alltag besser bestreiten zu können.“

Kontakt: Kirche Direkt – Ombudsstelle und Katholikenanwaltschaft der Erzdiözese Salzburg, Kapitelplatz 7, Postfach 62, 5010 Salzburg, Tel.: 0662/8047-1070, E-Mail: o.stefan@zentrale.kirchen.net.

 

„Oft scheitert es an zu wenig Gespräch“

RB: Was brauchen die Menschen, die sich an Sie wenden?

Otmar Stefan: Die Erfahrung, die Kirche ist für mich da, wenn ich sie brauche, wird zunehmend wichtiger. Ich habe den Eindruck, dass eine „nachgehende Seelsorge“ etwa bei schwerer Krankheit oder tragischen Ereignissen in der Familie gerade in der Seelsorge vor Ort immer wichtiger wird. Nicht selten höre ich den Vorwurf, der Pfarrer hatte keine Zeit für mich. Das Prob-lem liegt sicher auch darin, dass dieser Wunsch nach einem Besuch des Pfarrers häufig nicht deutlich artikuliert wird, aber gleichzeitig eine innere Erwartungshaltung da ist. Dies lässt sich vermutlich nur mit einem gut organisierten Wohnviertelapostolat lösen, wo schwierige Lebensumstände den Seelsorgern rechtzeitig bekannt werden.

RB: Viele suchen erst dann Hilfe, wenn Konflikte sehr verhärtet sind. Was können Sie tun, um diese zu entschärfen?

Stefan: Das Wichtigste ist, mit allen Parteien zu reden und herauszuhören, wie sich ein Konflikt darstellt. Häufig führt mangelndes Gespräch zu Vorurteilen oder vorgefassten Meinungen – ich muss ehrlich sagen, dass Pries-ter dann oft zum Opfer werden, weil man ihr Handeln nicht sieht oder versteht. Dann muss man klarmachen, warum ein Pfarrer so handeln musste, warum die Kirche tut, was sie tut. In den vergangenen drei Jahren habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich mit Kommunikation viel bereinigen lässt. Ich bin dabei nicht Partei, sondern Mediator. In Einzelgesprächen oder gemeinsam wird der Konflikt so weit geklärt, dass die Streiterei ein Ende hat. 

Otmar Stefan leitet die Stelle „Kirche Direkt – Ombudsstelle und Katholikenanwaltschaft der Erzdiözese Salzburg“.

 

Foto: A. R./pixelio.de