Ein Schiff als Zeichen der Partnerschaft

Bokungu-Ikela ist eine junge Diözese.  Als  2011 der 50. Geburtstag gefeiert wurde, war auch eine Gruppe aus der Erzdiözese Salzburg mit Bischofsvikar Martin Walchhofer vor Ort. „Besuche  bedeuten im Kongo sehr viel. Sie geben den Menschen das Gefühl: Da sind Schwestern und Brüder, die für uns da sind“, sagt Mathieu Lobingo. Der gebürtige Kongolese leitet das Eine-Welt-Begegnungszentrum Bondeko in Liefering und ist Vertreter der Diözese Bokungu-Ikela in Salzburg. Im September, rund um Ruperti, steht wieder ein 50-Jahr-Jubiläum ins Haus. Dieses Mal kommt Besuch aus dem Kongo nach Salzburg.  „Gemeinsam wollen wir die Diözesanpartnerschaft feiern und uns als Geschwis-ter im christlichen Glauben austauschen“, freut sich Lobingo. 

Bokungu-Ikela/Salzburg. Mitten am Äquator im Regenwaldgebiet in der Demokratischen Republik Kongo liegt die Diözese Bokungu-Ikela. Die Region ist mit dem Auto oder dem Flugzeug nur schwer zugänglich. Der einfachste und praktischste Weg führt über das Wasser. Deshalb sind auch die meisten Pfarren in Bokungu-Ikela am Tshuapa-Fluss angesiedelt. Die Verbindung zu den nächstgelegenen Städten des Landes wie Boende, Mbandaka oder Kinshasa sichert die Eneyelo. Das Schubschiff war das wichtigste „Werkzeug“ beim Aufbau der Diözese. Heute ermöglicht es den Bauern, ihre Produkte auf den Märkten der Städte zu verkaufen und ist für Krankentransporte unverzichtbar. Die Eneyelo ist aber auch das „Markenzeichen“ der Diözesanpartnerschaft. Das in Linz gebaute erste Schubschiff Eneyelo1  hat die Erzdiözese Salzburg 1961 an die Diözese Bokungu-Ikela übergeben. „Finanziert durch die Katholische Jungschar Salzburg waren Eneyelo I und II und ist Eneyelo III heute noch eine großartige Unterstützung für die Diözese“, unterstreicht Lobingo. „Die Menschen sagen: Das ist unser Schiff, das aus Salzburg zu uns gekommen ist.“

Aufbauarbeit der Missionare

Im Jahr 1914 erreichte das Missionsschiff „Bamanya St. Josef“ den Ort Ikela. Die Trappisten bauten die erste Kirche auf dem Gebiet der heutigen Diözese Bokungu-Ikela. Damit begann die Evangelisierung in der „Tshuapa-Mission“, die später Herz-Jesu-Missionare (MSC) weiterführten. Die heutige Diözese Bokungu-Ikela wurde schließlich im Jahre 1961 von den MSC der Süddeutsch-Österreichischen Provinz, den Missionarinnen Christi und den Barmherzigen Schwes-tern als Diözese errichtet. 

Heute ist die Kirche in Bokungu-Ikela lebendig und jung. Neben den 30 Priestern und 30 Ordensschwestern in 15 Pfarren gibt es rund 200 Katecheten, die kleine Gemeinden leiten. Eine der großen Herausforderungen ist laut Erzbischof Fridolin Ambongo Besungu die Berufungspastoral. Daran gekoppelt sei die gute Ausbildung dieser jungen Menschen, die der Diözese später als Priester und Ordensschwestern dienen oder die als Laien die Kirche in ihren verschiedenen pastoralen Bereichen tragen.  

Für Mathieu Lobingo ist die Geschichte der Kirche im Kongo eng mit jener des Landes verknüpft. „Sie ist geprägt von politischen Unruhen, immer wieder auftretenden Spannungen zwischen Staat und Kirche, verschiedenen Rebellionen oder Kriegen.“ Trotz dieser Herausforderungen sei die Kirche nach wie vor die erste moralische Instanz  im Land und ihr Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung ungebrochen.  Unterstützung kommt immer wieder aus der Partnerdiözese wie vor einigen Jahren bei der großen Kampagne für den Schutz des Regenwaldes. Mehr als 10.000 Unterschriften, ein Appell des damaligen Erzbischofs Alois Kothgasser und    politischer Druck konnten die  Abholzung von einer halben Million Hektar Wald verhindern.   

Kirche als Vermittler

Nach einer Phase der Stabilität verschlechterte sich in den vergangenen eineinhalb Jahren die Lage im Kongo. Die Aussetzung der Parlamentswahlen hat die Verfassung außer Kraft gesetzt und das Land in eine tiefe Krise gestürzt. Die katholische Kirche versucht zu vermitteln – allen voran Kinshasas Erzbischof Kardinal Laurent Monsengwo Pasinya und sein Koadjutor Erzbischof Fridolin Ambongo Besungu. Letzterer stand noch bis zum Frühjahr an der Spitze der Diözese Bokungu-Ikela und ist im September Teil der Delegation, die zum 50-Jahr-Jubiläum der Diözesanpartnerschaft nach Salzburg kommt.

Bild (Archiv/Referat Weltkirche): Eneyelo bedeutet in der lokalen Sprache Lomongo „Offenbarung“. Mittlerweile ist bereits das dritte Schubschiff auf den Namen Eneyelo getauft und ist für die Menschen ein sichtbares Zeichen der Diözesanpartnerschaft.  

Bischofswort

von Bischof Emery Kibal N. Mansong´loo ist seit März 2018 Apostolischer Adminis-trator der Diözese Bokungu-Ikela in der Demokratischen Republik Kongo.

Die Diözese Bokungu-Ikela wurde von Missionaren gegründet, unter ihnen auch die Herz-Jesu-Missionare aus Salzburg-Liefering. Sie waren auch die treibende Kraft für die Partnerschaft zwischen der Erzdiözese Salzburg und der Diözese Bokungu-Ikela. 

Es gibt viele Gründe für uns, über diese Partnerschaft glücklich zu sein. Ich möchte nur drei davon nennen: Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe. 

Was den Glauben an Jesus betrifft, so sind wir uns bewusst, dass die Diözese Salzburg viel dazu beigetragen hat, dass der Glaube an Christus sich bei uns ausgebreitet und verwurzelt hat. In diesem Zusammenhang ist auch die finanzielle Unterstützung zu nennen, die durch den Bau von Schulen zur Bildung beigetragen hat und unseren pastoralen Mitarbeitern (Pries-tern, Katecheten, Ordensleuten, Seminaristen …) zugutegekommen ist. 

Was die Nächstenliebe betrifft, so sind wir Begünstigte der Wohltätigkeit der Salzburger Kirche. Der Bau von Kirchen, Pfarrhäusern und Schulen, die Anschaffung von Verkehrsmitteln (Motorräder, Autos, Fahrräder …), das Schiff Eneyelo sowie die Finanzierung von zahlreichen anderen Projekten konnten so realisiert werden. 

Was die christliche Hoffnung betrifft, so bekennen wir, dass wir trotz der unruhigen politisch-sozialen Situation in unserem Land nicht die Hoffnung verlieren. Gemeinsam mit anderen Schwesterkirchen der Diözese Salzburg glauben wir, dass die Zusagen Gottes sich erfüllen werden (Jos 23,14; Apg. 27,25).

Wir wünschen und hoffen, 

- dass die Partnerschaft fortdauert, da sie eine große Unterstützung für die diözesane Pastoral darstellt.

- dass unsere Diözese, wenn nicht mit materiellen Mitteln, so doch aktiv an der Förderung und Vertiefung dieser Partnerschaft teilnimmt, denn Geben ist seliger denn Nehmen (Apg. 20,35).

- dass wir die materielle Unterstützung von Salzburg gut zu nützen wissen, in der Hoffnung, dass die Zahl der Gläubigen in unserer säkularisierten Welt zunimmt, zur Ehre Gottes und zum Heil seiner Geschöpfe. 

Wir würden uns freuen, in der Zukunft Freiwillige bei uns begrüßen zu dürfen, vor allem junge Menschen, die eine andere christliche Erfahrung machen möchten. Darüber hinaus würden wir uns wünschen, dass die finanzielle Unterstützung auch jenen Priestern unserer Diözese zugute kommt, die in den umliegenden Universitäten studieren, im Bestreben die Ausbildung vielfältiger zu machen.

Schließlich möchten wir der Erzdiözese Salzburg unseren herzlichen Dank aussprechen, die unsere junge Diözese seit 50 Jahren treu auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit begleitet.

Fakten zur Diözese Bokungu-Ikela

Einwohner: 650.000     Fläche: 42.000 km²

Katholiken: 17 Prozent der Bevölkerung 

In der Diözese gibt es 15 Pfarren; betreut 

von 30 Priestern und rund 200 Katecheten.

Bischöfe:

Joseph Weigl MSC  (1961 – 1982)

Joseph Kumuondala Mbimba (1982 – 1991)     

Joseph Mokobe Ndjoku (1993 – 2001)

Fridolin Ambongo Besungu (2004 – 2018)

Emery Kibal N. Mansong´loo (seit März 2018 Apost. Administrator)

Pastorale Schwerpunkte

  • Evangelisierung: Es entstehen Pfarren, kleine christliche Gemeinden mit „Bibel-teilen“. Kirchliche Kinder- und Jugendbewegungen sowie die Frauenorganisation bringen sich aktiv in das kirchliche Leben ein.
  • Bildung: Kindergärten und Schulen, Aus- u. Weiterbildung.
  • Entwicklung & Gesundheit: Krankenhäuser und Krankenstationen; landwirtschaftliche und handwerkliche Projekte. 
  • Schutz des Regenwaldes sowie Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden: Im tropischen Regenwald leben Kleinbauern, Fischer und Jäger. 2008 konnte in Ikela ein Regenwaldgebiet von 5.000 km² gerettet werden.