Ein starkes Ökumene-Signal

Ein starkes ökumenisches Zeichen in der koptisch-katholischen Herz-Jesu-Kirche in Kairo: Kardinal Christoph Schönborn hat am Sonntag gemeinsam mit dem koptisch-katholischen Patriarchen Ibrahim Isaac Sidrak die Messe gefeiert, an der auch der koptisch-orthodoxe Bischof von Österreich, Anba Gabriel, teilnahm.

Kairo. Dass ein koptisch-orthodoxer Bischof an einem Gottesdienst der mit Rom unierten koptischen Kirche als Gast teilnimmt, wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen, wie Kirchenexperten vor Ort betonten. Patriarch Sidrak wie auch Bischof Gabriel zeigten sich im Anschluss an die Messe zuversichtlich, dass sich die Beziehungen zwischen den Kirchen künftig deutlich verbessern werden.


Mit seiner Teilnahme am katholischen Gottesdienst folgte der koptische Bischof Gabriel dem Beispiel von Papst-Patriarch Tawadros II.: Dieser war das erste koptisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt, das persönlich an der Amtseinführung des koptisch-katholischen Patriarchen und damit an einem Gottesdienst der unierten Kirche teilgenommen hatte. Patriarch Ibrahim Isaac Sidrak war im März 2013 zum neuen Oberhaupt der kleinen mit Rom unierten Kirche geweiht worden. Auch der Salzburger Ostkirchen-Experte Prof. Dietmar Winkler sprach in Kairo von deutlichen Zeichen, dass sich die koptisch-orthodoxe Kirche künftig noch mehr dem ökumenischen Dialog öffnen werde. Seiner Einschätzung nach stehe der seit 2012 im Amt befindliche Papst-Patriarch Tawadros II. für einen positiven Neuanfang in der Ökumene – mit der katholischen Kirche aber auch weit darüber hinaus, so Prof. Winkler.


20 junge ägyptische Kopten und ein Afrikaner aus Ghana waren wegen ihres christlichen Glaubens im Februar 2015 in Libyen von IS-Terroristen bestialisch ermordet worden. Kardinal Christoph Schönborn besuchte im Rahmen seiner Ägyptenreise auch die Angehörigen der Opfer in der oberägyptischen Stadt Samalut. Er zeigte sich tief erschüttert über die Bluttat, zugleich aber auch tief bewegt über die Standhaftigkeit der Ermordeten und mit welcher Glaubensstärke die Familienangehörigen ihr Schicksal ertragen. Diese hätten vor allem auch der Versuchung des Hasses und der Rache widerstanden, so Schönborn. kap

 

Bildtext: Vor einigen Jahren undenkbar: Wiens Erzbischof feierte mit dem koptisch-katholischen Patriarchen Sidrak Gottesdienst. Foto: kathpress