Ein Stück Zukunft

Kenia. Im Westen des afrikanischen Landes, am Fuße des Mount Elgon, baut SEI SO FREI Zukunft mit auf. Partner im Kampf gegen Armut und Unterdrückung ist die lokale Organisation Desece. An ihrer Spitze steht Sophie E. Kibuywa, die klare Worte findet: „Armut ist ein Verbrechen.“ Tag für Tag setzt sie sich dafür ein, ihre Heimat ein Stück gerechter zu machen.

Salzburg/Kenia. Heilswege aus Armut und Elend hat Sophie Elisabeth Kibuywakeine parat, aber eine konkrete Idee von den Schritten hin zur mehr Gerechtigkeit. Ihre Vorstellung setzt sie in die Tat um. Das ist ihre Mission, die sie seit Jahren mit ihrer Organisation Desece verfolgt. „Ich kann nicht anders. Wie könnte ich weiterleben, ohne mich um die Menschen in Not zu kümmern?“ Bildung ist für sie der Generalschlüssel. Bei den politisch Verantwortlichen im Land war ihr kompromissloser Einsatz für die Armen nicht gern gesehen. In den 90er Jahren war es besonders schlimm. Sie wurde verfolgt und musste ins Ausland fliehen. Rückendeckung bekam sie von SEI SO FREI. Die entwicklungspolitische Aktion der Katholischen Männerbewegung verlieh ihr 1997 den Romero-Preis und ist bis heute an ihrer Seite. Jüngstes Projekt ist eine Veranstaltungshalle für Fortbildungen, die SEI SO FREI gemeinsam mit dem Land Tirol möglich machte. „Wir sind weit weg von Nairobi. Aus der Hauptstadt können wir nichts erwarten. Deshalb finde ich gar keine Worte für die Hilfe aus Österreich“, bedankt sich Kibuywa, die vor kurzem Salzburg und Tirol besuchte.

Landwirtschaft und Menschenrechte

Desece bedeutet Development Education Services for Community Empowerment. Hinter diesem langen Organisationsnamen steht handfestes Tun. Sophie Elisabeth Kibuywa und ihr Team gehen in die Dörfer. Über landwirtschaftliche Kurse gelingt der Zugang zu den Menschen. Sie berichtet wie durch die Arbeit mit den Bauerngruppen auch Themen wie Menschenrechte, Frieden, HIV/Aids oder die Rechte der Frauen angesprochen werden können. In den kleinen Dorfgemeinschaften schaffen die Männer an und die Frauen und Kinder arbeiten. „Die Armut kommt nicht zuletzt von dieser Unterdrückung“, ist die Desece-Gründerin überzeugt, die beharrlich ein großes Ziel verfolgt: „Selbstermächtigung. Die Menschen dürfen sich nicht schicksalhaft den sozialen Ungerechtigkeiten hingeben. Sie müssen ihr Leben in die eigene Hand nehmen.“

Das beste Beispiel seien die landwirtschaftlichen Schulungen inklusive Vermarktungstipps und Ökolandbau. „Wir gehen bei unserer Anbauweise an die Ursprünge zurück und achten darauf, dass es dem Boden gut geht.“ Das Konzept geht auf, die Erträge steigen. Mit dem was auf den Feldern wächst, können die Bauern ihre Familien ernähren und haben durch die Verkäufe am Markt eine Einnahmequelle. „Doch es ist noch ein langer Weg. Im Kampf gegen Armut ist Ausdauer notwendig“, betont Sophie E. Kibuywa. Stolz ist sie auf die im vergangenen Jahr eröffnete Veranstaltungshalle. Sie beherbergt alle Desece-Workshops und ist durch die Vermietung an andere Organisationen auch eine Einnahmequelle. „Mein Traum ist eine Art Gästehaus. Das würde die ,conference hall‘ noch gefragter machen.“

Land mit großen Problemen

Das politische Umfeld für Nichtregierungsorganisationen wie Desece ist kein einfaches in Kenia. „Die Sicherheit macht mir große Sorgen.“ Die Bedrohung durch den islamischen Extremismus und die Terrormiliz Al-Shabaab sei nach wie vor aktuell – bei einem Anschlag auf die Universität von Garissa starben vergangenen April mindestens 150 Menschen. Als andere große Herausforderung macht Kibuywa Korruption aus, „die überall im Land grassiert. Damit sich für die Armen etwas zum Besseren verändert, muss sich das System ändern“. Desece und Sophie Elisabeth Kibuywa jedenfalls werden weiter die Finger in die offenen Wunden legen, Unrecht ansprechen und mit ihren Möglichkeiten die Armut in Kenia bekämpfen.

TIPP: SEI SO FREI unterstützt Desece in Kenia seit vielen Jahren. Weitere Infos: www.seisofrei.at. Spendenkonto IBAN: AT10 3500 0000 0001 4100, Verwendungszweck: Desece
 

Dass Kinder am Feld mitarbeiten ist ganz normal. Desece vermittelt den Eltern aber auch wie wichtig Schulbildung ist. Fotos: SEI SO FREI, W. Heindl

Sophie E. Kibuywa ist dankbar – ohne die Hilfe von SEI SO FREI und dem Land Tirol würde es heute keine Veranstaltungshalle geben.