Ein Traum erfüllt sich

Straßenkinder. Sie fliehen vor Gewalt und Missbrauch oder es ist schlicht die Armut, die sie von Daheim wegtreibt. Bis zu 5.000 Kinder nennen die Straßen von Alexandria ihr Zuhause. Die Caritas setzt sich für sie ein. Hany Maurice ist Leiter aller Projekte für Straßenkinder in der ägyptischen Hafenstadt. Gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Aida Salib war er zu Besuch bei der Caritas in Salzburg, die ihre Schwes-terorganisation im Land am Nil seit vielen Jahren unterstützt.

 

 

 

Alexandria/Salzburg. Als Erstes entledigen sich die Burschen der dreckigen Kleidung, die dann in die Waschmaschine wandert. Sie duschen und ziehen sich saubere Sachen an. Die meisten sind müde und erschöpft und froh, sich ausruhen zu können. Aber davor wird noch etwas gegen den bohrenden Hunger unternommen. Jeden Morgen öffnen sich die Tore des Straßenkinderzentrums in Alexandria. Waschen, essen und schlafen – das sind die primären Bedürfnisse, die gestillt werden müssen. „Das ist lange nicht alles. Sie finden bei uns verschiedenste Beschäftigungsangebote. Sie lernen Körbe flechten oder kleine Teppiche weben, können den Computer nutzen oder Fußball spielen. Ein Arzt sowie eine Psychologin stehen den Kindern und Jugendlichen ebenfalls zur Verfügung“, erzählt Hany Maurice. Alphabetisierungskurse sollen der erste Schritt zum Einstieg in die Schule sein. Das ist das Ziel, genauso wie die Wiedereingliederung in die Familie. 

Die Rückkehr zur Familie ist nicht in allen Fällen möglich. Bei Sherif war das so. Niemand wollte den kleinen Jungen aufnehmen. Er wuchs im „Betreuten Wohnen“ der Caritas auf. Diese Wohngemeinschaft war und ist sein Zuhause. Heute steht der 24-Jährige vor einem Studienabschluss. Sein Traum – „Ich will Ingenieur werden“– ist zum Greifen nahe. Geschafft hat er das mit Unterstützung von Hany und seinem Team. Ibrahim ist ein anderes ehemaliges Straßenkind, das bald zu studieren beginnen wird. Ob Fares es den beiden einmal nachmachen wird? „Fares ist unser Jüngster. Er ist erst sechs Jahre. Die erste Zeit hat er nur geweint. Er war verängstigt. Er kannte kein Badezimmer und er hatte noch nie ein eigenes Bett“, berichtet Aida Salib. Die Caritas-Mitarbeiterin erzählt noch wie sich alle um den Jungen bemühten und er sich nach und nach einlebte. „Jetzt fühlt er sich wohl bei uns und wird wohl länger bleiben.“

„Betreutes Wohnen“ für Mädchen 

Häusliche Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung oder extreme Armut treiben auch immer mehr Mädchen auf die Straßen. Doch hier beginnt der tägliche Überlebenskampf erst recht. Mädchen, die auf der Straße landeten, können in der gesellschaftlichen Rangordnung nicht mehr tiefer sinken. Eine Rückkehr zur Familie ist noch schwieriger als bei den Buben. Für sie hat die Caritas mit  einer  muslimischen Partnerorganisation ein eigenes „Betreutes Wohnen“ umgesetzt. Dreizehn Mädchen im Alter zwischen 7 und 19 Jahren leben in der Einrichtung. Sie bekommen hier die Chance auf eine bessere Zukunft.