Ein unglaubliches Glaubenszeugnis

Dresden, 24. August 1942: Im Innenhof des damaligen Justizgebäudes werden fünf Jugendliche aus dem Oratorium der Salesianer Don Boscos in Posen von den Nationalsozialisten hingerichtet. Zum Tod verurteilt wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“. Wer waren diese fünf jungen Menschen? Eine Spurensuche.

Dresden. Die Bilder sind schwarz-weiß, grobkörnig. Sie zeigen die Gesichter von fünf jungen Männern. Damals, Ende der 1930er Jahre, lebten die fünf im polnischen Posen, gingen zur Schule oder in die Lehre und verbrachten ihre Freizeit im Oratorium der Salesianer. Heute werden sie als Selige verehrt und ihre Bilder und Namen sind auf einer Steinplatte vor dem Märtyreraltar in der Dresdner Kathedrale verewigt: Jarogniew Wojciechowski, Czesław Józwiak, Franciszek Kesy, Edward Kazmierski und Edward Klinik.


Einer, der sich dafür eingesetzt hat, dass die Tafel dort aufgestellt wird, ist Joachim Reinelt, ehemaliger Bischof des Bistums Dresden-Meißen. „Als ich zum ersten Mal die Briefe gelesen habe, die die fünf aus der Gefangenschaft und kurz vor der Hinrichtung geschrieben haben, da habe ich den Atem angehalten“, erzählt er. „Sie sind ein unglaubliches Glaubenszeugnis.“


1999 hat Papst Johannes Paul II. die fünf zusammen mit 103 anderen polnischen Widerstandskämpfern selig gesprochen. „Laut den Prozessakten wirft man ihnen vor, Standorte des deutschen Militärs ausspioniert und verbotene Zeitschriften gelesen und weitergegeben zu haben“, erklärt Historikerin Birgit Sack, die die Gedenkstätte Münchner Platz in Dresden leitet. Dort wird an all die Menschen erinnert, die während der Nazizeit, aber auch in den Anfangsjahren der DDR in Dresden hingerichtet wurden.


Bischof Joachim Reinelt ist fest davon überzeugt, dass der christliche Glaube, in dem die fünf tief verwurzelt waren, eine entscheidende Rolle spielte: „Sicher haben ihnen die Salesianer beigebracht, dass man als Christ dazu aufgerufen ist, Verantwortung zu übernehmen. Und das ist etwas, das wir auch heute noch von diesen jungen Märtyrern lernen können: Man darf nicht die Hände in den Schoß legen und Politik Politik sein lassen. Kirche ist nicht nur eine Kirche für den Weg zum Himmel, sondern auch eine Kirche für die Verantwortung in dieser Welt.“ Claudia Klinger

 

Bildtext: Joachim Reinelt, ehemaliger Bischof des Bistums Dresden-Meißen, setzt sich für das Gedächtnis an die Opfer des NS-Regimes ein. Allein in Dresden ließen die Nazis 1.343 Menschen umbringen. Foto: Rafael Ledschbor