Eine Möglichkeit gegen die Flucht

Vor Ort  müsse man die Lebensqualität der Bevölkerung verbessern, ist sich der Erzbischof von Gitega Simon Ntamwana sicher. Sonst werde die Flüchtlingswelle anhalten.

Gitega. Solange die Lebensperspektiven für die breite Masse der Menschen in Afrika derart katas-trophal sind, wird die Migrationsbewegung nicht aufhören. Das hat Erzbischof Simon Ntamwana von Gitega in Burundi vor kurzem betont. „Unzählige Menschen hier in Afrika sind durch Kriege und Hungerkatastrophen vollständig entwurzelt. Sie haben nichts mehr und sind auf der Suche nach einem besseren Leben“, so der Bischof wörtlich. Die Situation sei dramatisch: „Viele junge Erwachsene gehen einfach los... Sie träumen sich Europa wie ein Paradies. Sie opfern alles dafür – sogar ihre Würde.“ Der einzige Weg, die Lage nachhaltig zu bessern, sei den Menschen vor Ort zu helfen, so Ntamwana. Die lokale Politik wie auch die internationale Staatengemeinschaft seien hier säumig. 

Sein Heimatland Burundi sei für Afrika ein gutes Beispiel, sagte der Erzbischof: „Die letzte Staatskrise war 2015, sie führte zu einer großen Fluchtbewegung. Rund 400.000 Flüchtlinge leben in Ruanda und Tansania.“ Die katholischen Bischöfe im Land bemühten sich um mehr Gerechtigkeit. Konkret bedeute dies etwa, dass die Bischofskonferenz 2015 die verfassungswidrige Verlängerung der Amtszeit des Präsidenten klar ablehnte. Ntamwana: „Viele Politiker in Burundi haben noch keinen Sinn für die Bedeutung des Allgemeingutes. Sie bereichern sich auf Kosten großer Teile der Bevölkerung – auch um den Preis, dass diese das Land verlassen.“ 

Erzbischof Ntamwana ist Mitglied der von Papst Franziskus eingerichteten „Internationalen Kommission für Migrationsfragen“. Dieser gehören Experten, Bischöfe und Kardinäle aus allen Kontinenten an. „Unsere Aufgabe ist die Grundlagenarbeit. Wir tragen Informationen zusammen, damit wir als Kirche zu einer gründlichen Analyse dieser weltweiten Herausforderung und entsprechenden Schlussfolgerungen kommen.“Ntamwana, 1946 in Burundi geboren, ist seit 1997 Erzbischof von Gitega. Er verbrachte einen Teil seiner Studienzeit in der Steiermark und feierte im Grazer Dom Nachprimiz. kap

 

Bildunterschrift: Die Zukunft für  Kinder in Afrika ist oft ungewiss. Viele träumen vom fernen und guten Europa und fliehen dorthin. Foto: Peggy Lässig /pixelio.de