Einfach leben

Wer zu viel mitschleppt, wird nicht weit kommen. Die Fastenzeit kann als Weg durch die Wüste verstanden werden – und helfen, zur ursprünglichen Freiheit zu finden.

Ein mit mir befreundetes Ehepaar fuhr mit den drei Kindern in den Urlaub. Kurz vor der Reise erzählte die Mutter, dass sie in eine Berghütte gehen werden, wo es keinen Strom und kein fließendes Wasser gibt. Spontan sagte der sechsjährige Timo: „Ist das die totale Freiheit?“ Vielleicht hatte der Junge gespürt, dass man ein Mehr an Freiheit erlebt, wenn man die gewohnte Bequemlichkeit zurücklässt. Eine Hütte nur mit Kerzen erleuchten und das Wasser aus einem Brunnen holen, das klang für ihn nach Abenteuer. 

Man kann ein Stück ursprünglicher Freiheit spüren, wenn man sich aus den Netzwerken löst, die das Leben einfach und zugleich komplizierter machen: Stromnetz, Internet, Medien … Der Grafiker Otl Aicher fand für diese Erfahrung die geniale Formel: „minimierung der ansprüche ist optimierung der freiheit. reduktion ist gewinn.“

 

Die Angst, zu kurz zu kommen

 

Doch so einfach geht es nicht mit dem Einfach-Leben. Denn tief in uns steckt die Angst, zu kurz zu kommen. Wir fürchten uns vor Mangel, vor dem Hunger, vor dem Zuwenig. Das ist ja zunächst ein ganz natürliches und überlebensdienliches Gefühl. 

Es braucht eine Basis-Absicherung, ein Grundeinkommen, eine gewisse Vorratswirtschaft, damit wir überleben können. Doch Leben ist mehr als Überleben. Was brauche ich wirklich zum Leben?

Das Bild der Wüste kann manches deutlich machen: Die Wüste zwingt zur Reduktion. Die Trockenheit duldet nichts Überflüssiges. 

 

Den ganzen Text von Bruder Andreas Knapp und Impulse lesen Sie im aktuellen Rupertusblatt.