Endlich wieder Schule

Krieg und Flucht sind besonders für Kinder eine Katastrophe. Sie haben Schreckliches miterlebt, ihr Zuhause und liebe Menschen verloren. Viele arbeiten, anstatt zur Schule zu gehen – und das seit Jahren.

Salzburg/Lattakia.  „Wir müssen diesen Kindern Zugang zu Bildung ermöglichen, damit sie nicht zu einer verlorenen Generation werden“, ist Stefan Maier von der Caritas Salzburg überzeugt. Er berichtet von einem Förderprogramm, das zeigt wie es gehen kann. Im syrischen Lattakia werden Kinder wieder „schulfit“ gemacht.  

Von Frieden ist Syrien weit entfernt. Doch in Lattakia ist es verhältnismäßig sicher. Das ist viel in einem Land, in dem seit fünf Jahren Bomben fallen. Vor dem Krieg hatte Lattakia an der syrischen Mittelmeerküste 900.000 Einwohner. Heute sind es um rund 700.000 mehr. Caritas-Projektpartnerin Maha Jdeed: „Auf den Straßen ist häufig nur noch der Dialekt aus Aleppo zu hören. Praktisch jede Garage und jeder Keller in der Stadt, Gewächshäuser im Umland werden von Vertriebenen bewohnt. Einige haben Zelte am Strand aufgeschlagen, während andere obdachlose Familien in den Hauseingängen von Wohnblocks übernachten.“ 

Kinder übernehmen in dieser Welt wie selbstverständlich die Rolle von Erwachsenen. Sie müssen zum Überleben der Familien beitragen und Geld verdienen. Maha Jdeed kennt mehr als genug Beispiele und zählt auf: „Ein Mädchen verkauft Brot auf der Straße, ein anderes Geschirrspülmittel und ein drittes Kekse. Mehrere Buben schlagen sich als Müllsammler durch, einer ist bei einem Schuhmacher und Dutzende sitzen für die Kleiderproduktion an der Nähmaschine.  Zwei Brüder machen Nachtschichten in einer Kerzenfabrik und schlafen dann öfters während des Unterrichts ein. “ Rund 20 Prozent der von Maha betreuten Mädchen und Buben arbeiten. Nach wie vor. Aber ihr Leben hat sich durch das Caritas-Bildungsprojekt trotzdem verändert. Sie träumen nicht mehr nur von der Schule.      

Hoffnung für syrische Kinder 

In der maronitischen Pfarre sind fünf Klassen untergebracht, in denen je 20 Kinder lernen. Ziel ist es, sie nach vier Monaten in das reguläre Schulsystem zu integrieren. Die Erfahrung zeigt: Kinder, die zwei Jahre die Volksschule besucht haben und dann zwei Jahre nicht in der Schule waren, konnten nach dem intensiven Förderkurs in der dritten, vierten oder sogar fünften Klasse des Regelunterrichtes einsteigen. „Es funktioniert, in Lattakia sind ja die meisten Schulen offen“, unterstreicht Maier und verweist auf einen zweiten wichtigen Aspekt: die Jause. 

Während der Pause bekommen die Kinder Milch und Sandwiches. Auch deshalb verpassen die Schützlinge von Maha Jdeed  gewöhnlich keinen einzigen Tag. „Sie sind aber insgesamt sehr motiviert und glücklich lernen zu dürfen“, betont die junge Frau. Sie hofft, dass mit Unterstützung aus Österreich im Herbst der nächste Kurs starten kann.

 

Bilder (Caritas): Hilfe vor Ort leistet die Caritas in der syrischen Hafenstadt Lattakia. Hier bekommen Kinder die Chance auf Bildung und zumindest einmal am Tag eine Mahlzeit.

Tipp: „Meine Spende gegen Hunger.“ Dem aktuellen Rupertusblatt liegt ein Zahlschein bei. Online-Spenden: www.caritas-salzburg.at