Er kämpft weiter gegen Kirchenaustritte

Der Pfarrer von Mülln hat ein Rezept für die Seelsorge, mit dem er Ausgetretene oft zum Umdenken bewegt.

Salzburg-Mülln. Pater Franz Lauterbacher sitzt am Schreibtisch im Pfarramt und studiert die Statistik. 5.405 Frauen und Männer haben 2019 die Glaubensgemeinschaft verlassen. Das sind um elf Prozent mehr als im Jahr davor. Er zieht die Augenbrauen hoch und sagt: „Dispute in Pfarren, Ermittlungen gegen den früheren Bischof von Gurk-Klagenfurt oder auch der Kirchenbeitrag werden derzeit in Medien als Gründe angeführt.“

Nach der Veröffentlichung der aktuellen Zahlen steht für den 71-Jährigen fest: „Wir brauchen mehr Visionen.“ Er weiß, dass die Erzdiözese viele gute Angebote für Menschen in allen Lebenslagen hat. Sie unter das Kirchenvolk zu bringen, sei auch seine Aufgabe. Dabei kann sich sein Werk sehen lassen: 15 Eheschließungen gab es in seiner Pfarre 2019; drei Paare kamen aus Mülln, zwölf von auswärts. Detto bei Taufen; sieben Kinder wachsen in Mülln auf, 28 anderswo. Der Priester kann offensichtlich gut mit Menschen umgehen und ist beliebt.

Wiedereintritt bei einem Bier

Einer bereiten Öffentlichkeit ist Pater Franz Lauterbacher als jener Pfarrer bekannt geworden, der bei Bier und Brezen Leute wieder zurück in die katholische Kirche bringt. Er selbst hat sich bei diesen Gesprächen übrigens immer ein Kracherl, nie eine Halbe, bestellt.
Jahrelang hat er im Bräustübl, das gleich unter dem Pfarramt Mülln liegt, mit Ausgetretenen gesprochen. Dabei hat er so viel Geduld und so überzeugende Argumente aufgebracht, dass etliche Salzburgerinnen und Salzburger flott wieder eingetreten sind. „Heute reicht es, wenn ich im Schmankerlgang stehe oder in der Stadt spaziere. Die Leute kennen mich und sprechen mich ungeniert auf vieles an. Auch auf‘s Eintreten.“ Ihm sei wichtig, an ungewöhnlichen Orten zu finden zu sein.

2019 kehrten 446 Frauen und Männer zur katholischen Kirche zurück. Zwölf von ihnen wegen Pater Franz. Weitere vier folgen bald.

 

Foto: Mit Sorge blickt Pater Franz Lauterbacher auf die Austritts-Statistik 2019. Erfreulich: Einige Wiedereingetretene sind sein Verdienst.
Foto: RB/mih

Michaela Hessenberger