Es fehlt an allem, nicht am Glauben

Irak. Ein Bild der Verwüstung bot sich Pfarrer Slawomir Dadas von der Initiative Christlicher Orient (ICO), der gemeinsam mit dem Linzer Bischof Manfred Scheuer Dörfer in der Ninive-Ebene im Irak besuchte.

Hallein. Der IS – Islamische Staat wurde vertrieben, ohne Unterstützung können die Christen aber nicht in ihre angestammten Dörfer zurückkehren. Die ICO will helfen.


Herr Pfarrer, was haben Sie vorgefunden, als Sie in die befreiten Dörfer gekommen sind?
Dadas: Es waren Geisterdörfer, total menschenleer, mindestens die Hälfte aller Häuser völlig unbewohnbar. Am tiefsten haben sich die Bilder von schmutzigen Schultaschen und Spielzeug eingeprägt, die auf der Straße lagen.


Was ist Ihnen da durch den Kopf gegangen?
Dadas: Mir sind die Jahre bewusst geworden, die diese Kinder verloren haben, unbeschwerte Jahre des Spielens, die sie nie mehr nachholen können, natürlich auch die fehlenden Schuljahre. Wir möchten vor allem beitragen, dass die Kinder wieder Zukunft haben.

Was möchten Sie tun?
Dadas: Zuerst muss die Regierung noch weiter Sicherheit schaffen. Aber das geht voran. Und dann werden wir die zurückgekehrten Dorfbewohner mit dem unterstützen, worum sie uns bitten. Wir werden ihnen nichts überstülpen. Zurzeit fehlt es an allem Materiellen, nicht aber am Glauben. Das hat mich sehr beeindruckt. Der Glaube ist da. Dieses tiefe Gottvertrauen ist bewundernswert.

Hilfe wird nicht einfach sein …
Dadas: Ja, und sie wird vor allem Jahre dauern. Aber als ICO werden wir bei den Menschen bleiben und Schritt für Schritt mit ihnen gehen. Da gehört die Unterstützung für die Renovierung von Häusern ebenso dazu wie die Finanzierung von Therapeuten oder der Bau von Pfarrzentren und Kirchen. Vor allem müssen wir persönlich Kontakt mit den betroffenen Menschen halten.

Warum ist das so wichtig?
Dadas: Bei unseren Begegnungen haben wir erlebt, dass sich die Leute von der ganzen Welt verlassen fühlen. Besuche sind enorm wichtig. Natürlich weiß ich, dass nur die wenigsten von uns das tun können. Aber wir müssen den Christen im Irak das Gefühl geben, dass wir an sie denken. Eine Form des „An-sie-denkens“ besteht im Gebet, eine andere in der finanziellen Unterstützung. Darum möchte ich sehr bitten: dass wir unseren Schwestern und Brüdern im Irak die Solidarität zeigen, die jedem von uns möglich ist. ICO

 

Bildtext: Die Zerstörungen sind unvorstellbar. Die Initiative Christlicher Orient bittet um Unterstützung zugunsten ihrer Hilfe für die Christen im Irak. Foto: ICO