„Es gibt noch andere“

Um zeitgemäße Jugendpastoral drehten sich vor kurzem die Pastoraltage der Erzdiözese in Salzburg und Wörgl. Beim Termin im Tiroler Unterland forderte Referentin Hildegard Wustmans die 40 anwesenden Seelsorgerinnen und Seelsorger sowie Weihbischof Hansjörg Hofer auf:  „Seid mutig! Traut euch! Riskiert etwas!“  

 

 

Salzburg/Wörgl.  „In die Welt der Jugendlichen hinauszugehen erfordert die Bereitschaft, Zeit mit ihnen zu verbringen, ihre Geschichten, ihre Freuden und Hoffnungen, ihre Trauer und Angst anzuhören“, zitierte Wustmans aus dem Vorbereitungsdokument zur Weltbischofssynode, die sich im kommenden Jahr mit dem Thema Jugend befasst. 

Die Theologin plädierte für eine Haltung, die sich vom Lebensstil Jesu inspirieren lässt: von seinem Interesse an dem, was Menschen Sinn und Bedeutung gibt; von seinen Begegnungen an öffentlichen Plätzen und bei den Menschen zuhause; von den Streitgesprächen, in denen er die Etablierten mit einer anderen Ordnung der Dinge konfrontiert. Eine solche Pastoral könne junge Leute an den unterschiedlichsten Orten im wahrsten Sinn des Wortes erreichen, zeigte sich Wustmans überzeugt. Eine solche Pastoral riskiere etwas, entwickle sich weiter und arbeite nicht „mit Stempelkarten für den nachgewiesenen Gottesdienstbesuch in der Firmvorbereitung“.

Hildegard Wustmans unterstrich die Be-deutung einer zeitgemäßen Jugendpastoral mit den Worten von Papst Franziskus: „Die Seelsorge unter missionarischem Gesichtspunkt verlangt, das bequeme pastorale Kriterium des ‚Es wurde immer so gemacht‘ aufzugeben. Ich lade alle ein, wagemutig und kreativ zu sein in dieser Aufgabe, die Ziele, die Strukturen, den Stil und die Evangelisierungs-Methoden der eigenen Gemeinden zu überdenken.“ (Evangelii Gaudium 33). 

Events spielen in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle: „Sie vermitteln das Gefühl von exklusiver Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit. Nicht Vorträge und Diskussionen stehen im Mittelpunkt, sondern Erlebnisformen, die ein sinnreiches Gemeinschaftserlebnis bieten.“ Jugendliche könnten dabei eine weitere wichtige Erfahrung machen: „Es gibt noch andere, die glauben. Was sonst abwegig erscheint, ist hier normal.“ Solche Erkenntnisse seien auch an religiösen Orten wie in Taizé möglich, einem Ort mit ungebrochener Attraktivität für junge Menschen. 

„Zeit ist eines ihrer höchsten Güter“, gab Wustmans zu bedenken. „Deswegen finden junge Menschen nichts schlimmer, als sie mit Sinnlosigkeiten zu vergeuden.“ Aus diesem Grund sei ihr Engagement in der Regel zeitlich begrenzt. Und natürlich müsse es ihnen etwas bringen. „Kurzum: Es braucht einen messbaren, fühlbaren Mehrwert.“

Papst bittet Jugend um ihre Meinung 

Noch bis Ende November haben junge Leute die Chance, der Kirche und Papst Franziskus ihre Lebenswelten zu beschreiben. Unter dem Link youth.synod2018.va (auch auf deutsch) können sie im Vorfeld der Jugendsynode ihre Gedanken, Wünsche, Nöte und Bedürfnisse mitteilen.  „Liebe Jugendliche! Nutzt die Chance! Bringt euch ein! Papst Franziskus möchte eure Meinung hören“, motiviert Erzbischof Franz Lackner die Jugendlichen zum Mitmachen. Bei der  16-jährigen Silvija, die sich im Jugendzentrum Iglu in Salzburg engagiert braucht es gar keine Überzeugungsworte mehr: „Ich finde es toll, dass sich die Kirche für unsere Meinung interessiert.“ 

Fotos (Loretto-Gemeinschaft/eds): „Die Jugend ist nicht die Zukunft der Kirche, sie ist die Gegenwart. Deswegen ist es so wichtig, dass sie auf allen Ebenen der kirchlichen Hierarchie gehört und ernstgenommen wird “, sagt Christian Berghammer von der Loretto-Gemeinschaft, die jedes Pfingsten zum Fest der Jugend im Dom einlädt – und tausende junge Menschen erreicht.

Neue Wege in der Jugendpastoral zu gehen ermutigte Hildegard Wustmans die Seelsorgerinnen und Seelsorger beim Pastoraltag.