„Es gibt so viele Wege zu Gott wie Menschen“

Gemeinschaft. Die katholische Glaubensbewegung Cursillo feiert heuer ihr 50-Jahr-Jubiläum in Salzburg. „Cursillos“ sind intensive dreitägige Glaubensseminare – als vierter Tag schließt sich sozusagen die „Umsetzung“ im Alltag an. Anna Weinberger ist seit langem Cursillo-Mitglied. Im Rupertusblatt-Interview spricht sie über ihre Erfahrungen. 

RB: Was ist Ihnen von Ihrem ersten Cursillo am deutlichsten in Erinnerung geblieben?

Weinberger: Dieses Vertrauen, dass Gott niemals „Nein!“ sagt, sondern jeden liebevoll annimmt. Es gibt so viele Wege zu Gott wie Menschen. Einer davon kann der Cursillo sein, für mich war das der Fall.

RB: Auf der Homepage wird der dreitägige Cursillo als „Initialzündung“ für ein spirituell angereichertes christliches Leben beschrieben. Haben Sie den Kurs so erlebt?

Weinberger: Für mich war es damals wirklich ein Aha-Erlebnis. Es trägt mich bis heute, wie ich tief im Herzen spürte Gottes geliebtes Kind zu sein. Das war eine Grunderfahrung, die mich nie mehr losgelassen hat. 

RB: Was erwartet die Teilnehmer bei einem Cursillo-Kurs? 

Weinberger: Das Cursillo-Team besteht aus einem Priester und vier Mitarbeitern. Es werden wesentliche Glaubensinhalte des Christentums vermittelt. Durch Impulse, Glaubenszeugnisse, im gemeinsamen Feiern und Beten kann in freudiger Atmosphäre der Glaube neu gefunden oder gestärkt werden.

RB: Die drei Tage sind also ein Anstoß. Wie kann man diese Impulse dann im Alltag leben?

Weinberger: Wenn man einmal Feuer gefangen hat beim Evangelium, dann wird man versuchen – und ich meine versuchen – nach Gottes Wort zu leben. So habe ich  neben meiner Familie und meinem Beruf immer wieder in der Pfarre mitgearbeitet. Ich denke, der Glaube ist nicht nur Privatsache, sondern wir sind aufgerufen, uns für Mitmenschen und gegen Ungerechtigkeit einzusetzen. Wir nennen das „Geerdete Spiritualität“: Das bedeutet, nicht nur geistige Höhenflüge zu haben, sondern Gott so zu erfahren, wie er sich auswirkt im Leben.

RB: Könnten Sie eine für Sie besondere Cursillo-Begegnung mit uns teilen? 

Weinberger: Für mich als Teammitglied war es oft berührend, die leuchtenden Augen von Menschen zu sehen, die gerade Christus im Sakrament der Versöhnung begegnet waren oder wenn ich miterleben durfte, wenn manche Menschen ihr Leben nach einem Cursillo  „umgekrempelt“ haben.

RB: Was stärkt die Beziehung zu Gott am meisten? 

Weinberger: Viel beten. Ich betrachte täglich ein Stück vom Wort Gottes. Und: Die Heilige Schrift lesen, auch in Gemeinschaft. Wir haben seit 40 Jahren eine Bibelrunde. Alle zwei Wochen treffe ich mich mit einer Runde von Frauen, mit denen ich mich austausche. Und natürlich ist auch die Eucharistie ein Stärkungsmittel für mich. Seit dem Cursillo habe ich eine besondere Beziehung zu diesem Sakrament.

 

Hintergrund

Seit der Gründung im Jahr 1940 hat Cursillo sich stetig weiterentwickelt. Alles begann als katholische Jugendbewegung in Mallorca. Von Spanien aus hat sich der Glaubenskurs dann weltweit verbreitet. Der Clarentiner-Priester Joseph García-Cascales führte Cursillo 1960 in Österreich ein. Vom 6. bis 9. November 1968 wurde der erste Cursillo in der Erzdiözese Salzburg veranstaltet. Seitdem fanden mehr als 165 „Cursillos“ in Salzburg statt, an denen  tausende Frauen und Männer teilgenommen haben. Im Gegensatz zu einem ausschließlich intellektuellen und theoretischen Verständnis des Christentums betont die Cursillo-Bewegung das tiefe Erleben davon. Die Bedeutung der Taufe, die kirchliche Gemeinschaft und das mutige Apostolat stehen im Mittelpunkt. Ziel eines Cursillo ist die christliche Pfarrgemeinde. Cascalles forderte die Christen auf Menschen des Gebetes zu sein, mit anderen zu leiden und einen außergewöhnlichen Einsatz zu leisten. Die Großherzigkeit und Toleranz der Kirche betonte er dabei besonders. Das Thema der Europäischen Vollversammlung 1997 beschreibt den Fokus von Cursillo so: „Verwurzelt in Gott – verschenkt an die Welt“. 

Bild (privat): Anna Weinberger  (2. v. l.) aus Straßwalchen ist der Glaubensbewegung Cursillo seit langem verbunden – das Bild zeigt sie mit ihrem Cursillo-Team: Heidi Schicktanz, Dechant Hans Schreilechner, Elisabeth Lausenhammer, Bernhard Jank, Christl Kornauer und Gerhard Lugner.