„Es ist nicht immer leicht, aber immer sinnvoll“

„Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) feiert ein Jubiläum – und zwar sein 50-jähriges Jubiläum! Grund genug zu gratulieren und mitzufeiern – denn auch wenn mein Einsatz schon lange her ist, fühle ich mich doch immer noch ein wenig als ,FSJler‘ und bin stolz darauf.“ Harald Mattel, Stadtpfarrer von Seekirchen, erzählt von seinen reichen FSJ-Erfahrungen.

Salzburg/Linz. Zwanzig Jahre ist es her, dass ich von September 1997 bis Juli 1998 an der damaligen Abteilung für Kinder- und Jugend-Neuropsychiatrie Linz (heute Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters) ein Jahr mitarbeiten durfte. Es war für mich eines der spannendsten, lehrreichsten, herausforderndsten und mit Sicherheit schönsten Jahre meiner Ausbildung.

 

Ich habe mich damals entschieden, nach dem ersten Studienabschnitt in Theologie und im Priesterseminar mein Externjahr nicht an einer anderen Universität zu verbringen, um dort meinen Horizont zu erweitern, sondern ich bin in eine ganz andere Welt eingetaucht. Ich wollte damals etwas „Praktisches“ tun, Neues kennen lernen, mich sozial engagieren, meine Stärken und Schwächen entdecken und einmal weg vom Lernen hinein ins „richtige Leben“ tauchen. Ich wollte schauen, ob ich das kann: Mit Menschen arbeiten. Nach 14 Jahren Lernen war es Zeit für etwas anderes – aber sowas von höchste Zeit! Da war es für mich als alten Jungscharler natürlich klar: Es wird das FSJ, denn die Jungschar ist ja eine der Gründer- und Trägerorganisationen.

 

Wofür entscheide ich mich?

 

So hab ich mich auf den Weg nach Linz gemacht: Zuerst zum Bewerbungsgespräch, dann im Sommer zum ersten Ausbildungsblock. Nehmen die mich überhaupt? Wenn ja, wo wird es mich hin verschlagen? Was werde ich machen? Altenpflege? Behindertenarbeit? Sozialarbeit? Das war so in meinem Kopf! Denn in der Arbeit mit Kindern hatte ich ja schon Erfahrung und Praxis – und das deshalb eigentlich gar nicht speziell im Blick. Aber wie heißt das Sprichwort: „Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt!“ Denn als es nach der ersten Woche, in der wir uns mit uns selbst und unseren Begabungen beschäftigt haben, zur Stellenvergabe kam und die Stelle im Kinderspital vorgestellt wurde, da wusste ich: Das ist es! Unerwartet, ungeplant – und doch hat mich genau diese Herausforderung gereizt. Da gehöre ich hin – ein Berufungserlebnis… Da die Stellen im Kurs in einem gemeinsamen Prozess vergeben wurden, hieß es noch einen knappen Tag lang warten, überlegen, diskutieren, abwägen… Zu jeder Berufung gehört die Prüfung durch andere.

 

Und es hat sollen sein! Ich habe dort als Erzieher ein Jahr lang mein FSJ machen dürfen: Freizeitbetreuung, Lernstunden, Kindergartendienst, Betten machen, dass es für ein Leben reicht  (Krankenhaus halt), Ausflüge, Gespräche, Patientenbesprechungen, … das war mein Alltag. Nicht immer leicht – aber immer sinnvoll. Einblick in ganz neue Lebenswelten und Erfahrungen – in der Einsatzstelle genauso wie bei der begleitenden Ausbildung und meinen damals ersten Supervisions- und Selbsterfahrungen. Manche dieser Erfahrungen und Begegnungen sind heute noch so lebendig, wie wenn sie erst unlängst gewesen wäre, diese wertvolle Zeit vor 20 Jahren …

 

Danke für diese Erfahrungen

 

Ich habe meine Talente entdecken dürfen – genauso wie ich meine Grenzen zur Kenntnis nehmen musste, um daran zu wachsen. Erfahrungen von denen ich bis heute als Seelsorger  profitiere. Erfahrungen die mich für mein Engagement in der Kinderpastoral, als Pfarrer und als Notfallseelsorger geprägt haben. Einmal FSJler – immer FSJler: Darum war ich noch bei so mancher Berufsinformationsmesse, um Werbung für das FSJ zu machen – und habe auch noch einige integrative Sommerturnusse im Rahmen der Freiwilligen Sommereinsätze des Vereines in meiner Studienzeit  gemacht. Danke, dass ich ein kleiner Teil des FSJ sein durfte! Happy Birthday! Ich habe es nie bereut und kann nur jede und jeden Jugendliche/n ermutigen, sich auf einen solchen Erfahrungsweg einzulassen.

 

Bildtext: Harald Mattel zeigt bei der Arbeit mit Kindern vollen Einsatz. Foto: KJ

 

TIPP:  Einsatzdauer: 10 oder 11 Monate, Taschengeld: 245,-- Euro/Monat netto, Sozialleistungen, anrechenbar als Zivildienst.
Infos: Tel. 0676/8776 3922, office.salzburg@fsj.at,  www.fsj.at, www.facebook.com/fsj.at