„Etwas Glück abgeben“

Geteilte Freude ist doppelte Freude. Dieses Sprichwort fällt Johann Eidenhammer ein, wenn er über seine „Autoübergaben“ spricht. 

Rif/Burgkirchen. Der pensionierte Mechaniker aus dem Innviertel repariert gebrauchte Autos und verschenkt sie an finanziell benachteiligte  Menschen. „Sie können es meist gar nicht glauben und fragen: Das gehört jetzt wirklich  mir?“ Diese Reaktionen und die Dankbarkeit der Leute sei Entschädigung genug für die vielen Stunden, die er ins  „Wieder-fit-machen“ der Fahrzeuge steckt. Vor kurzem fand eines der Autos einen neuen Besitzer in Rif bei Hallein. Die Caritas Salzburg war Vermittlerin bei dieser vorweihnachtlichen Bescherung.       

In Sachen Autos kann Johann Eidenhammer (69) niemand etwas vormachen. Er hat zeit seines Berufslebens als Techniker in einer Werkstatt gearbeitet. Mit seinen Fähigkeiten schenkt er nun Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, Mobilität und damit eine Perspektive. Etwa Alleinerziehenden, die Kinder und Beruf unter einen Hut bringen müssen, dafür ein Auto brauchen, sich das aber nicht leisten können. Eidenhammer weiß: „Gerade am Land verkehren die Öffis nicht im Stundentakt.  Um zum Job zu kommen, sind die Frauen aufs Auto angewiesen.“ Er erzählt auch von einer Familie mit fünf Kindern, eines davon schwerstbehindert. Die Eltern legten jeden Euro zur Seite, weil sie ihrem Buben eine Hippotherapie ermöglichen wollten.  „Sie haben gesehen, das tut ihm gut.“ Der Vater fuhr bei jeder Witterung mit dem Fahrrad zur Arbeit. Dank Eidenhammer hat die Familie jetzt ein Auto. Das vereinfacht den Alltag mit häufigen Arztbesuchen und macht darüber hinaus den einen oder anderen Ausflug möglich.     

27 Autos – 27 Schicksale

„Mir geht es gut. Da kann ich ruhig einmal vom eigenen Glück etwas weitergeben“, sagt Eidenhammer und ist froh, dass er dabei die Rückendeckung seiner Frau hat. Für dieses Weitergeben wendet der Mechaniker nämlich viele Stunden auf und wenn es darum geht, Ersatzteile zu kaufen, „ist das nicht der Rede wert“. Froh ist das Ehepaar, wenn Dritte sie unterstützen und wenn Anrufe von Menschen kommen, die eine Autospende in der Garage stehen haben. „Am liebs-ten mit geringer Motorleistung und wenig Spritverbrauch, damit der Erhalt sowie die Versicherung leistbar sind“, erklärt Johann Eidenhammer. Er holt das Fahrzeug ab und macht sich daheim in seiner kleinen Werkstatt ans Schrauben und den Austausch von Verschleißteilen. Und damit die späteren Besitzerinnen und Besitzer lange etwas von ihrem fahrbaren Untersatz haben, nützt der Burgkirchner sein Netzwerk. „Ich vermittle den Kontakt zu Werkstätten, die bei der Rechnung auf die schwierige finanzielle Situation der Leute eingehen.“          

27 Autos hat Eidenhammer bisher fahrtauglich gemacht. Das ist eine stolze Zahl. Doch ans Aufhören denkt der Burgkirchner nicht. Das Leuchten in den Augen der Menschen, wenn er ihnen den Autoschlüssel in die Hand drücke, sei Motivation zum Weitermachen. Bei den persönlichen Begegnungen komme er auch den Schicksalen nahe, die mit den Autoübergaben verbunden sind. Er erzählt von einer Familie, die nach dem Jobverlust des Vaters in eine sehr prekäre Lage rutschte. Der Mann habe seine Sorgen mit Alkohol betäubt und eines Nachts die Wohnungseinrichtung zertrümmert. „Als ich bei ihnen war, das war an einem Sommertag, hatten sie nicht mal mehr was Ordentliches zum Hinsitzen. Ich hab mir geschworen: Bis spätestens Weihnachten muss sich das ändern.“ Eidenhammer schaffte es gemeinsam mit dem „Lions Club“ 900 Euro aufzustellen und so konnte sich die Familie neben einer neuen Couchgarnitur noch über Brennholz freuen.

Autospende ist wie Lotto-Sechser

Eidenhammer, der für sein Engagement mit dem Solidaritätspreis der Linzer Kirchen-
zeitung ausgezeichnet wurde, arbeitet eng mit der Caritas zusammen. Vor kurzem kam über diese Kooperation eines der flottgemachten Autos nach Rif zu Helmut Kronewitter. Der Fotograf lebt mit dem Klinefelter Syndrom, einer besonderen Chromosomenkonstellation. Seit seiner Diagnose macht sich Kronewitter für Betroffene stark, klärt auf und setzt sich insgesamt für seltene Erkrankungen ein – nachzulesen unter www.raredisease.at. Seinen momentanen Gesundheitszustand beschreibt er als schwierig, das Geschenk auf vier Rädern sei wie ein Lotto-Sechser und mache ihn wieder mobil. 

Die Begegnung mit Johann Eidenhammer, der ihm zum Auto noch einen Satz Reifen übergab, habe ihm Mut gemacht. „Dieser Mann hat das Herz am richtigen Fleck“, so Helmut Kronewitter über den Mann aus dem Innviertel, der nicht wegschaut, wenn es anderen schlechtgeht, sondern handelt. 

Foto (RB/privat): Johann Eidenhammer (l.) verschenkt ein Auto und damit Mobilität an Helmut Kronewitter.