Evangelienkommentar

Wage den Aufbruch mit leichtem Gepäck!

Unser 2013 verstorbener Mattseer Kanonikus Anton Sageder brach als 17-Jähriger mit zwei seiner Studienkollegen aus dem Petrinum in Linz zu einer Fahrradtour nach Rom auf. Denkbar einfach ging es im Jahr 1949 zu, mit nur wenig Geld in der Tasche. An der italienischen Grenze hätten er und seine Begleiter fast umkehren müssen; denn mit insgesamt hundert Schilling vier Wochen lang in Italien unterwegs zu sein, konnten sie den Zöllnern schwer erklären ... Zur Einfachheit dieser Tour kam die Gütergemeinschaft hinzu und das Entstehen einer Freundschaft, die ein Leben lang gehalten hat! Es war ein Aufbruch mit einem klaren „Ziel“ vor Augen! Ein solches „Ziel“ gibt auch Jesus den Zweiundsiebzig mit auf den Weg: Zu zweit sollten sie sich auf den Weg machen, praktisch ohne Hab und Gut, doch mit dem Auftrag Frieden zu verbreiten, Kranke zu heilen und den Leuten zu sagen, dass ihnen das Reich Gottes nahe ist! Kurz und bündig ist das Wort: „Geht!“ Und der Hinweis: „Die Ernte ist groß!“ Damit diese Sendung gelingt, gibt Jesus – damals wie heute – „Reisetipps“! Dem Verlangen nach Sicherheit und Bequemlichkeit kommen sie nicht nach; auch nicht dem Wunsch, sich belanglosen Plaudereien hinzugeben. Es gilt, das Ziel der Verkündigung niemals aus den Augen zu verlieren ...

 

„Reisetipps“ gibt es in den Sommermonaten viele. Im Evangelium lässt Jesus mit den seinen aufhorchen ...!

 

Papst Franziskus wird nicht müde, mit markanten Sätzen darauf den Finger zu legen: „Brechen wir auf, gehen wir hinaus, um allen das Leben Christi anzubieten! Ich wiederhole hier für die ganze Kirche, was ich viele Male den Priestern und Laien von Buenos Aires gesagt habe: Mir ist eine ‚verbeulte’ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist.“ – Ich gebe zu: Diese Worte kratzen auch an einigen meiner eigenen festgefahrenen Lebensgewohnheiten. Vor allem ein Aufenthalt in Taizé hat mich sehr zum Nachdenken gebracht – wie die lebhafte Erzählung meines verstorbenen Mitbruders von seiner Fahrradtour nach Rom! Die Aussendung der Zweiundsiebzig war von Erfolg begleitet; voller Freude berichteten sie Jesus davon. Es gelingt, weil Jesus sie aussendet und weil er in ihnen wirksam ist ... Ich wünsche uns allen, dass unser Einsatz für das Reich Gottes ebenso ein erfüllender ist! redaktion@rupertusblatt.at