„Fairkauf“ stärkt Mensch & Umwelt

Pfarrer Heinrich Wagner gründete 1989 in  Gneis seinen 3. Weltladen. Jetzt feiert das Fachgeschäft für fairen Handel seinen 30. Geburtstag

 

 

Salzburg-Gneis. „Der faire Handel kam mir gerechter vor als die übliche Entwicklungshilfe“, erklärt Wagner sein damaliges Engagement. Ein Stück der Kapelle der Gneiser Pfarrkirche war rasch abgetrennt und das kleine Geschäft mit Waren der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) Fairer Handel und anderen Partnern gefüllt. Der „Fairkauf“ konnte im September 1989 beginnen. Das Bewusstsein für faires Einkaufen in der Gesellschaft wuchs und mit ihm die Vielfalt an Produkten. Auch heute noch arbeiten viele Ehrenamtliche im Verkauf oder engagieren sich im Weltladen-Verein.

2005 übersiedelte der Weltladen in das Wohnprojekt der Pfarre an der Berchtesgadnerstraße. Ein starker Schwerpunkt lag ab 2011 auf fair produzierter Bio-Mode. „Uns wurde von Mode abgeraten, aber wir wagten es trotzdem“, erinnert sich Geschäftsführerin Sabine Wiesinger. Heute ist die große Auswahl für Kundinnen und Kunden nicht mehr wegzudenken. Über die neuen Medien, attraktive Produkte und einen Stand beim jährlichen BIO-Austria-Fest am Kapitelplatz gelang es, den Kreis der Stammkundschaft zu erweitern und zu festigen.

„Zu sehen, dass sich das Leben unserer Produzentinnen und Produzenten durch unseren Einsatz verbessert, motiviert mich bei meiner Arbeit im Weltladen. Bei Projektreisen habe ich hautnah erlebt, wie sie durch die langjährigen Handelskontakte gestärkt werden. Sie produzieren gute Qualität und bekommen diese entsprechend bezahlt“, so die stellvertretende Geschäftsführerin Christine David.  

Die Menschen hinter den Produkten 

Der Gneiser Weltladen ist als Verein organisiert. Bis auf die beiden Angestellten, die Geschäftsführerin und Ladenleiterin Sabine Wiesinger und die stv. Geschäftsführerin Christine David arbeiten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gneiser Weltladens ehrenamtlich.  Irene Unterkofler ist seit 1991 (mit einer Pause von sieben Jahren) als Freiwillige für den Weltladen tätig. „Es gibt keine fairere Alternative als das“, ist Unterkofler überzeugt.

Insgesamt gibt es in Österreich etwa 90 Weltläden – zehn davon in der Erzdiözese Salzburg. Die Mehrzahl der Weltläden wird als Verein geführt. Einige gehören der EZA. In der Erzdiözese gehört nur der Weltladen in der Linzergasse der EZA.  Der Weltladen in Golling ist in privaten Händen. Alle Weltläden sind Mitglieder beimWeltladendachverband „ARGE Weltläden“. Somit können sie auch den Namen „Weltladen“ führen. In den als Vereinen organisierten Läden gibt es meist eine Person, die angestellt ist, alle anderen sind ehrenamtlich beschäftigt. In den EZA-Weltläden sind alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angestellt. Die Weltläden beziehen ihre Ware durchwegs von der EZA, es gibt aber auch noch etwa 20 weitere Lieferadressen, bei denen die Weltläden einkaufen dürfen. Die EZA Fairer Handel ist die Pionierin des Fairen Handels in Österreich. Seit 1975 setzt sie eine alternative Wirtschaftsweise in die Praxis um. So trägt sie dazu bei, dass benachteiligte Produzentinnen und Produzenten in Ländern des Globalen Südens ihre Lebens- und Arbeitssituation verbessern können. Durch die Praxis des Fairen Handels stärkt sie die Menschen hinter den Produkten. Gesellschafter sind der Verein Aktion 3.Welt (A3W), sowie die Katholische Männerbewegung Österreich und Oberösterreich.

Weltläden

Österreichs Weltläden stehen europaweit an der Spitze: Sie haben europaweit den höchsten Durchschnittsumsatz, mit rund 200 Angestellten und 900 Ehrenamtlichen (Frauenanteil: 85 Prozent) eine der höchsten Anstellungsraten und befinden sich überwiegend in guten Lagen mit regulären Öffnungszeiten. Das gibt der Idee des Fairen Handels ein solides Fundament. Zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind über die Angestelltenstruktur hinaus in der Weltladenbewegung aktiv und machen sie dadurch zu einer der größten Initiativen Österreichs. Die EZA unterstützt die Weltläden über die Warenbelieferung hinaus mit Gründungsunterstützungen, Weiterbildungsangeboten, und Kampagnenmaterial.

Festprogramm: 

Samstag, 18. Mai:
10 Uhr: Filme über Kaffee aus Mexiko und Mode aus Indien
10.30 bis 13.30 Uhr: Basteln für Kinder
11.30 Uhr: Modenschau
Nachmittag: Rate- und Gewinnspiele
Es gibt Livemusik und ein warmes und kaltes Buffet (unter anderem mit indischen Speisen) und ein tolles Kuchenangebot.

Sonntag, 19. Mai:
10 Uhr: Festgottesdienst in der Pfarrkirche Gneis (gestaltet vom Weltladenteam mit Gneiser Musikern und Sängern)
Anschließend Agape im Pfarrsaal.

Foto: Engagiert: Die Geschäftsführerin und Ladenleiterin Sabine Wiesinger (r.)  und die stellvertretende Geschäftsführerin Christine David betreiben gemeinsam mit 15 Ehrenamtlichen den Weltladen Gneis.

Foto: RB/Weltladen