Fastengedanken von Weihbischof Hansjörg Hofer

Unter der Oberfläche

Schneller als man meint, kann das Leben furchtbar seicht und oberflächlich werden, auch wenn beruflich vielleicht alles klappt und privat kein Wunsch offen bleibt. Und doch haben viele Menschen genug vom Leben. Sie leben nur irgendwie. Sie lieben irgendwen. Sie glauben einfach irgendetwas. Sie hoffen irgendwas. Sie arbeiten irgendwo mit irgendwem. Und irgendwann werden sie sterben. Ist, bzw. war das alles?

Fasten könnte auf diesem Hintergrund heißen: unter die Oberfläche vordringen und die Routine stoppen! Der Alltagstrott, der vermeintliche oder auch tatsächliche Stress, die Hektik und der Leistungsdruck, aber auch die blinde Gedankenlosigkeit und die lähmende Gleichgültigkeit haben vieles verschüttet, versanden und verdursten lassen: viel Kreativität, Lebensfreude, Fantasie, Originalität, aber auch Menschlichkeit, Geduld, Barmherzigkeit, Treue usw.

Fasten würde da meinen: die Oberfläche durchbrechen, tiefer schürfen, auf den Grund gehen, meine Lebensquelle wieder freilegen, bzw. neu suchen. Und übrigens: ohne sinnvolle Ziele versiegt und verkümmert mein Leben. Denn das Leben kann doch kein Zufall sein?

Wer bei dieser ehrlichen Suche auf Gott, bzw. auf seine oft verdeckten Spuren stößt, der hat den eigentlichen Sinn seines Lebens neu entdeckt, der oder die wird bewusster, glücklicher, aber auch gelassener leben, weil er die Freude wiedergefunden hat. Der Psalmist bekennt: „Bei dir, o Herr, ist die Quelle des Lebens. In deinem Licht schauen wir das Licht“ (Ps 36, 10)!