Fastengedanken von Weihbischof Hansjörg Hofer

Fasten: Innehalten und sich stellen

Der Dichter Angelus Silesius schreibt: „Halt ein! Wo läufst du hin?“ Diese Frage ist vermutlich heute besonders aktuell, denn wir alle laufen: von Geschäft zu Geschäft, von Pflicht zu Pflicht, von Veranstaltung zu Veranstaltung, von einem Termin zum anderen. Wir sind ständig in Aktion, auf Achse, in Bewegung, auf Trapp. Immer schneller, immer höher, immer weiter, immer mehr! Das ist die Devise, die heute zählt, aber auch die Menschen kaputt macht! Und übrigens: dürfen wir alles, was wir können? Wo liegen die Grenzen? Ja, gibt es überhaupt Grenzen?

In vielen Unternehmen und Betrieben wird heute eine so genannte Leitbilddiskussion durchgeführt. Denn man will sich nicht einfach von Entwicklungen und Trends treiben lassen, sondern selber bewusst die Weichen stellen.

Und wie ist dies bei uns Christen? Die Kirche lädt uns Jahr für Jahr in der Fastenzeit zum Innehalten ein und stellt uns dabei die Frage: „Wo läufst du hin?“ Mit dem Ruf: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1, 15), hebt uns Jesus gleichsam auf den Prüfstand. Sein Appell zur Umkehr will uns die Augen öffnen und einladen, sich ihm und seiner Botschaft zu stellen.

Mit den Augen Gottes sich selber anzuschauen: so beginnt Umkehr! Stimmt die Richtung meines Lebens oder ist eine Kurskorrektur notwendig? Sich mit Herz und Verstand neu auf Gott und die Mitmenschen auszurichten: das ist Umkehr! Wie sagt Jesus? „Wer mir nachfolgt, der tappt nicht im Dunkeln. Er wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8, 12)!