Fastengedanken von Weihbischof Hansjörg Hofer

Fasten mit allen Sinnen

Viele Menschen sind satt, übersatt, gesättigt. So viele Reize, Impulse, Worte, Informationen usw. Sattheit jedoch lähmt, stumpft ab, macht träge, blockiert unser Denken, Wollen und Tun, lässt den inneren Menschen absterben. Fasten heißt: wieder neu zur eigenen Mitte vorzustoßen, mich auf das Wesentliche in meinem Leben zu konzentrieren, bewusster zu leben. Fasten ist ein Vorgang, der den ganzen Menschen mit all seinen Sinnen betrifft. 

Da gibt es das Fasten mit den Augen! Ich muss nicht alles sehen im Fernsehen, im Internet, in den diversen Magazinen, was mich reizt und meine Leidenschaft und Begierden aufstachelt. Wovor aber verschließe ich meine Augen? Wo sollte ich genauer hinschauen? Fasten mit dem Mund! Denn ich muss nicht alles sagen, was mir auf der Zunge liegt. Besser wäre, mehr mit den anderen zu reden und nicht über sie und vor allem Gutes von anderen weiterzusagen. Wo aber müsste ich meinen Mund aufmachen? Fasten mit den Ohren! Denn ich muss nicht alles hören, was an Belanglosem gequatscht wird. Zuhören wäre oft heilsamer. Fasten mit den Händen! Denn ich muss nicht verächtlich auf andere zeigen. Besser wäre es, meine Hände zu einem guten Miteinander auszustrecken. Fasten mit den Füßen! Denn ich muss nicht auf jeder Hochzeit tanzen und ständig unterwegs sein usw.

Wie überall im Leben geht es auch beim Fasten mit allen Sinnen um das rechte Maß, nicht um ein angepasstes Mittelmaß, sondern um das rechte Augenmaß so ganz nach der Devise: das Herz bei Gott und das Ohr bei den Menschen.