Fastengedanken von Weihbischof Hansjörg Hofer

Fasten: Kreuz tragen und Kreuz annehmen

Auf dem Weg durch die Fastenzeit begegnen wir auch dem Kreuz. Es durchkreuzt meine Wege, Pläne und Vorhaben. Es macht mir einen Strich, ein Kreuz durch die Rechnung, d.h. durch mein Leben. Und das irritiert uns und stellt uns, unseren Lebensweg, Lebensentwurf, Lebensstandard in Frage. Das Kreuz brauchen wir nicht zu suchen. Es begleitet uns. Es gehört zu meinem Leben. Der Volksmund drückt dies so aus: „Unter jedem Dach ein Ach!“ Und es hat 1.000 Namen und ebenso viele Formen. 

Jesus sagt: „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein“ (Lk 14, 27). Fasten könnte demnach heißen: sein Kreuz zu tragen. Es bewusst als Zeichen der Jesusnachfolge zu tragen. Und wenn ich bereit bin, es für andere zu tragen, d.h. aufzuopfern, dann kann mein Kreuz sogar zum Segen für Viele werden.

Es gibt aber auch das andere Kreuz, das wir nicht hinnehmen, sondern bekämpfen sollten. Es ist das Kreuz des Unrechts, der Ungerechtigkeit, des Unfriedens, des Hungers, der vielfältigen materiellen und geistigen Not so vieler Menschen usw. Fasten könnte hier heißen: gegen diese Form des Kreuzes aufzutreten, um es zu lindern, bzw. es anderen abzunehmen. 

Auch nach dem Kreuzestod Jesu bleibt jedoch das Kreuz für uns ein Geheimnis. Es gehört zu den gro-ßen Fragen, Fragezeichen und auch Dunkelheiten unseres Lebens. Fasten könnte auf diesem Hintergrund heißen: im Aufblick zum Gekreuzigten diese Dunkelheit auszuhalten und zwar im Vertrauen darauf, dass Christus am Kreuz nicht gescheitert ist.