Fastengedanken von Weihbischof Hansjörg Hofer

Fasten: zu neuem Leben

Ein König sollte folgendes Urteil unterschreiben: „Gnade unmöglich, im Gefängnis lassen!“ Dem König aber kam dieses Urteil zu hart vor. Weil er an die Zukunft des Mannes und seiner Familie dachte, änderte er das Urteil um, indem er den Beistrich nur um  e i n  Wort versetzte. Er setzte ihn um ein Wort vor. Dann hieß das Urteil: „Gnade, unmöglich im Gefängnis lassen!“

Jesus hat durch seinen Tod und seine Auferstehung für alle Menschen so eine „Beistrichsverschiebung“ vorgenommen. Zwar bleibt auch nach seiner Auferstehung für uns das Kreuz eine bittere Realität. Aber jetzt steht vor dem Kreuz nicht mehr ein Minus, sondern ein Plus! Denn Christus hat uns nicht vom Kreuz erlöst, er hat uns vielmehr durch das Kreuz erlöst!

Das Ziel der Fastenzeit ist nicht, dass wir durch verschiedene Methoden und Wege unser Gewicht reduzieren, uns neu orientieren, intensiver und wesentlicher leben, unsere Mitte wieder finden usw. Alles das ist gut. Aber das eigentliche Ziel der Fastenzeit heißt Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu! Weil ER lebt, dürfen auch wir leben! Und das Ziel des christlichen Fastens ist es, uns neu für die österliche Botschaft empfänglich zu machen. Denn durch das Fasten will uns Gott „mit geläutertem Herzen zur österlichen Freude und zur Fülle des Lebens führen“, wie es in einem Gebet heißt. 

Weil Gottes Plan für alle Menschen Gnade und nicht Verderben, Barmherzigkeit und Leben in Fülle (Joh 10,10) heißt, können wir durch Jesu Auferstehung „als neue Menschen leben“ (Röm 6,4)!