Franziskaner in Bolivien

„OFM“ steht für Franziskaner – auch in San Ignacio in Bolivien. Br. Andreas Holl war hier lang als Pfarrer. Vor kurzem kehrte er gemeinsam mit Markus Roßkopf, Referent für Weltkirche in der Erzdiözese Salzburg, zur Amtseinführung des neuen Bischofs nach San Ignacio zurück. Für das Rupertusblatt berichtet Br. Andreas über die Spuren der Franziskaner in Salzburgs Partnerdiözese.

San Ignacio. Die heutige Diözese San Ignacio de Velasco im Tiefland Boliviens ist immer noch mehr als doppelt so groß wie ganz Österreich. Dabei war das Gebiet ursprünglich noch viel ausgedehnter. Nach der ersten Missionierung durch den Orden der Jesuiten im 17./18. Jahrhundert und einer Zeit pastoraler Vernachlässigung im Zusammenhang mit der Ausweisung der Jesuiten und den Wirren des nationalen Befreiungskrieges übernahmen ab 1930 „Tiroler Franziskaner“ (aus West-Österreich und Südtirol) die seelsorgliche Betreuung. 

Apostolisches Vikariat von Chiquitos hieß es damals. Franziskaner aus Österreich (und anderen Ländern) waren zwar schon Jahre zuvor in Bolivien tätig, hatten aber nur im so genannten Hochland feste Niederlassungen, sprich Klöster. Von dort kamen sie dann in zeitlich begrenzten Expeditionen und Missionsreisen in den noch großteils unerforschten und schwer zugänglichen Urwald in den Niederungen Boliviens. Das änderte sich – auch dank einiger wagemutiger Frauen aus Salzburg! Bereits 1932 halfen franziskanische Schwes-tern von Hallein und etwas später auch von Hall in Tirol in der Aufbauarbeit im Schul- und Gesundheitswesen und nicht zuletzt in der Pfarrseelsorge mit. Auch zahlreiche Freiwillige unterstützten dieses Werk, indem sie als „EntwicklungshelferInnen“ eine Zeit lang – manche ihr ganzes weiteres Leben – in Bolivien verbrachten.

Internationaler Franziskanerorden  

Bis zum Jahre 1995 wurde das Missionsgebiet von Franziskaner-Bischöfen geleitet, zum Beispiel vom Oberösterreicher Josef C. Rosenhammer oder vom Tiroler Bonifaz Madersbacher. Ersterer war übrigens  als er 2003 starb der älteste Bischof weltweit. Sein Lebensalter konnte man immer leicht berechnen, da er am 1.1.1900 (in Mauerkirchen) geboren worden war. Begraben liegt er nun allerdings nicht in der Kathedrale, in der er auch nach seinem Rücktritt und bereits erblindet noch lange vor allem im Beichtdienst tätig war, sondern in San Francisco, der zweiten Pfarre der Bischofsstadt San Ignacio. Eine stets  zugängliche Fatima-Kapelle zwischen Kirche und Franziskanerkloster ist dem unermüdlichen Missionar zur Ruhestätte geworden, der  gemäß seinem Leitspruch  „unter der Leitung Mariens alles zu Christus, dem König führen“ wollte. 

Mittlerweile sind mehr als die Hälfte der rund 30 Priester in der seit 1995 zur Diözese erhobenen Ortskirche Bolivianer, und die Franziskaner in die Peripherie gezogen, verstorben oder auch nach Österreich zurückgekehrt, wie der Schreiber dieser Zeilen. Die „Globalisierung“ oder das „Ende des Monopols“ zeigt sich auch im Franziskanerorden, der inzwischen international in der Diözese San Ignacio vertreten ist: Mit drei Österreichern und je einem Polen, Italiener, Argentinier, Spanier und Bolivianer. Auch die letzten zwei  Bischöfe sind nicht mehr Auslands-österreicher, sondern stammen aus Deutschland beziehungsweise den USA.

Vom Lungau nach Bolivien   

Ein Mitbruder muss aber schon noch erwähnt werden: P. Rupert Gappmair war in den 70er Jahren Pfarrer in San Miguel, einem weiteren Ort, der in der Zeit der Jesuiten gegründet wurde und heute von Steyler Missionaren (SVD)  betreut wird – neben Franziskanerinnen aus Hall. Dem an Minusgrade gewöhnten Lungauer ist aber die schwüle Hitze nicht gut bekommen, weshalb er nach sechs Jahren um der Gesundheit willen Bolivien wieder verlassen musste und dann seine Mission in der  zwar nicht kältesten, aber dafür ältesten Stadt Österreichs vollendete: in Enns.

Tipp: 50 Jahre Diözesanpartnerschaft mit San Ignacio de Velasco (Bolivien), Daegu (Südkorea) und Bokungu-Ikela (Dem. Republik Kongo). Am Rupertitag 2018 feiert Salzburg mit den drei Partnerdiözesen.

 

Foto: Br. Andreas Holl OFM (3. v. l.) war sechs Jahre Pfarrer in der Pfarre San Francisco in San Ignacio.  Hier im Bild mit Mitbrüdern am Grab von Bischof Josef Rosenhammer.