„Franziskus gibt uns Kraft“

Papstbesuch.  Peru ist für die katholische Kirche eine wichtige Bastion in Lateinamerika. Von den 31 Millionen Einwohnern sind offiziell 90 Prozent katholisch. Jetzt besuchte Papst Franziskus das Land und setzte dabei seine Prioritäten: Amazonien und die Begegnung mit den indigenen Völkern. Er verurteilte die Ausbeutung der Natur, Gewalt gegen Indigene und  Frauen so-wie Korruption und rief zur Solidarität auf. Der Priester und Schriftsteller Luis Zambrano bezeichnet Franziskus als  „Geschenk an die Kirche und die Welt“  und seine Botschaft als Ermutigung.

 

 

RB: Wie hat Peru den Papst empfangen?

Zambrano: Die Menschen freuten sich sehr über den Besuch des Papstes. Das Volk in meiner Heimat ist sehr gastfreundlich und die Leute merkten: Franziskus ist anders als frühere Päpste. Er hat die Menschen mobilisiert; viele nahmen lange Anreisen auf sich,  um bei einer Messe mit Franziskus dabei zu sein und brachten Marienstatuen mit. 

RB: Franziskus kam inmitten einer schweren politischen Krise: Präsident Kuczynski entging nur knapp einer Amtsenthebung; Ex-Präsident Fujimori, der wegen Korruption und Verbrechen gegen die Menschlichkeit inhaftiert war, wurde begnadigt. Konnten die Papstworte in diesem aufgeheizten Klima  etwas bewirken? 

Zambrano: Sie schenken uns Kraft.  Franziskus brachte uns seine Botschaft, jetzt hängt es von uns ab, dass wir sie richtig annehmen. Die Korruption ist so groß im Land und ich denke, dass die Profiteure und jene, die mit dem Goldabbau und der Ausbeutung der Natur im Land verdienen, nicht so froh über die Worte waren. Dafür sprach er den armen Menschen und allen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen, aus den Herzen.

RB: Die Kirche selbst hat ihre Sorgen in Peru: Es gibt Missbrauchsvorwürfe gegen Priester, der Vatikan hat die als Gegenbewegung zur „Theologie der Befreiung“  gegründete konservative „Sodalitium Christianae Vitae“ unter Aufsicht gestellt.  Wie ist die Situation der Kirche?

Zambrano: Die Kirche ist gespalten. Die konservative Strömung ist nach wie vor stark; wir haben neun Bischöfe, die dem „Opus Dei“ und zwei die zu „Sodalicio“ gehören. Das für mich Interessante ist Folgendes: Hat ein Pries-ter früher so geredet wie es Franziskus heute tut, wurde er als Kommunist bezeichnet. Für mich und viele andere ist dieser Papst eine Rückenstärkung. Die Richtung der Theologie der Befreiung war immer eine Minderheit,  aber  eine bedeutende. Als ich in den 70er Jahren in Europa studierte, kam die Befreiungstheologie hier „in Mode“;  für uns in Latein-amerika war es nie Mode,  immer etwas Tiefes. Die Märtyrer in Lateinamerika sind Menschen, die nach dieser Richtung gelebt und gewirkt haben. Wir haben auch die andine Theologie (für Peru und Bolivien); die vereinfacht sagt: „Du kannst dieser Theologie folgen, ohne die eigene Kultur vergessen zu müssen.“

RB: Als „historisch“ wurde die Begegnung von Franziskus mit Vertretern von Amazonas-Völkern bezeichnet. Sie gilt auch als Auftakt zu einer Bischofssynode für Amazonien 2019 im Vatikan. Wie schätzen Sie diese Treffen mit den indigenen Völkern ein?  

Zambrano: Sie sind eine Anerkennung und drücken aus: Diese Völker sind wichtig, ihnen muss zugehört werden. Daraus kann etwas wirklich Gutes wachsen. Der Rohstoffraubbau und die Zerstörung des Regenwaldes sind ein großes Problem in Peru; Menschen die diesen Lebensraum verteidigen, wurden getötet. Der Regenwald am Amazonas ist der Lebensraum für die indigenen Völker. Doch ihr Ansehen bei vielen Menschen an der Küste ist nicht sehr hoch, das ist leider Realität. Es ist an der  Zeit, dass die indigenen Völker auf die weltweite Bühne kommen – dazu hat der Papst einiges beigetragen. 

Trotz aller Probleme der letzten Zeit in Peru ist auch etwas sehr Bemerkenswertes  passiert. Das staatliche Fernsehen sendet auf Anordnung der Regierung seit kurzem eine halbe Stunde Nachrichten in indigenen Sprachen – zunächst Quechua und dann auch Aymara. Früher haben sich die Leute geschämt für „ihre“ Sprachen, jetzt sind sie in ganz Peru zu hören, das ist sehr positiv für die Identität und die Stellung dieser Volksgruppen  im Land.

RB: Auf welchem Weg sehen Sie Peru?

Zambrano: Die Hoffnung ist unsere Schwester. Die Probleme  sind zu lösen, vielleicht nicht so schnell, aber es sind viele Signale da, die hoffen lassen. Der Papst gibt uns Kraft, er ist im guten und positiven Sinn unser Vorbild.