Frauen als Schlüssel zum Wandel

kfb-Projektpartnerin Alina Menjivar setzt sich in El Salvador für ein gutes Leben für alle ein.

Salzburg. Teilen, das „stark macht“ und Teilen, das „Zukunft spendet“: Schon Familienfasttags-Pionierin Herta Pammer war klar, dass es mit Spenden allein nicht getan ist, sondern auch am Bewusstsein der Menschen gearbeitet, in Bildung und in Forschung investiert werden müsse. Dass sich dieser Einsatz auszahlt, bestätigt Alina Menjivar. Sie ist Koordinatorin einer Fraueninitiative  in El Salvador. Die Familienfasttags-Projektpartnerin berichtete bei einem Besuch in Österreich vom Einsatz der Frauen für eine Gesellschaft, in der alle die gleichen Chancen haben. 

„60 Jahre Aktion Familienfasttag – Das ist ein Moment des dankbaren Zurückschauens und der Freude über Erfolge, die wir erzielt haben. Zugleich ist ein Jubiläum immer ein Moment des Neuausrichtens“, betont Evi Oberhauser, die stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreich (kfbö). Deshalb war der 60. Geburtstag auch Anlass, im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil zum Symposium „Frauen verändern die Welt“ einzuladen. Eine weite Anreise hatte Alina Menjivar. „Aber dieser Austausch ist sehr inspirierend für mich. Und ich bin dankbar die österreichischen Frauen zu treffen, die unsere Arbeit in El Salvador unterstützen.“ Der Schlüssel für Veränderung seien die Frauen, ist sie überzeugt. Frauen wüssten um ihre eigene Situation am besten Bescheid. Der Haken dabei: „Frauen sind nicht genügend präsent, sie können ihre Meinung nicht äußern und Entscheidungen nicht selbst treffen, weshalb dann viele Prob-leme ungelöst bleiben.“ Entscheidend sei es, das Bewusstsein zu stärken, „dass wir alle Rechte haben – und diese nicht nur passiv wahrnehmen, sondern aktiv gestalten und einfordern müssen“, unterstreicht Menjivar.    

Rechte auf Land und Wasser

Alina Menjivar ist Projektkoordinatorin bei der „Frauenvereinigung für lokale Entwicklung“ (Asociacion colectiva de mujeres para el desarrollo local – kurz CMDL). Die Partnerorganisation der Aktion Familienfasttag wirkt seit 2004 in El Salvador. Zentrale Themen sind die Teilhabe von Frauen an nachhaltiger Landwirtschaft und ressourcenschonender Verwendung von Wasser. Vor allem junge Frauen spielen in der Landwirtschaft des mittelamerikanischen Landes eine tragende Rolle. Die seien oft aufgrund zerrütteter Familienverhältnisse oder Migration abwesend, erzählt Menjivar. An den Kleinbäuerinnen hänge es, die Ernährung ihrer Familie zu sichern. Doch der Alltag ist hart.  „Außerdem sind Tätigkeiten in der Landwirtschaft in El Salvador kaum angesehen und die Tradition lässt es nicht zu, dass Frauen alleine ökonomische Entscheidungen treffen. Meistens besitzen sie das bebaute Land auch nicht selbst.“ Menjivar kennt die Auswirkungen: Das fehlende Eigentum sei eine unüberwindbare Hürde, wenn sie einen Bankkredit beantragen möchten. Das Leben mache ihnen außerdem der Klimawandel schwer, mit all seinen existenzbedrohenden Folgen: Stürmen, Extremwetter, Wasserknappheit und Temperaturanstieg. 

Weiter die Stimme erheben

CMDL vermittelt den Frauen Know-how zu anderen, ökologischen Anbauweisen. Früher seien fast nur Mais und Bohnen auf ihren Feldern gewachsen. „Wir motivieren sie zu mehr Vielfalt. So sind sie unabhängiger und müssen die Produkte nicht mehr teuer am Markt kaufen.“ Menjivar berichtet weiters von Gemeinschaftsgärten sowie  Workshops zu gesunder Ernährung, neuen Techniken, um Wasser zu gewinnen und effizient zu nutzen, Saatgut-Banken oder Mikrokrediten. Dieser Maßnahmen-Mix trage zum Bewusstseinswandel bei. „Veränderte Verhältnisse im Landbau seien ein wichtiger Schritt zur Aufwertung der Frauen in der von patriarchalen Strukturen geprägten Gesellschaft – neben Gewaltschutz, dem Einsatz für Menschenrechte und dem Recht auf Wasser.“ Nicht allen passe dieser Einsatz. Aber die CMDL-Frauen lassen sich nicht einschüchtern und erheben weiter ihre Stimme gegen Ungerechtigkeit – wie es schon Erzbischof Oscar Romero getan hat, so Alina Menjivar. Den kürzlich heilig Gesprochenen bezeichnet sie als Vorbild.     

ibu/kap

Foto (RB/ibu): Alina Menjivar setzt sich in El Salvador für ein gutes, unabhängiges Leben für alle ein; dazu gehöre es, die Lebensbedingungen von Frauen zu verbessern.