„Freunde geben mir Kraft“

Der ehemalige Asylbewerber Wajid Ali hofft auf eine Rückkehr nach Salzburg als Student

„Ich hoffe so sehr, dass ich im Herbst wieder in Salzburg bin.  Es muss gut gehen. “ Den zweiten Satz wiederholt Wajid Ali mehrmals als er von seinem „Zufluchtsort“  in Kenia ein Telefoninterview mit dem Rupertusblatt führt. Der junge Pakistani, der für einige Monate Aufnahme im Kloster St. Peter gefunden hatte, entging im Februar seiner Abschiebung aus Österreich nur durch die „freiwillige“ Ausreise nach Nairobi. Der Weg zurück soll jetzt über ein Studentenvisum gelingen.    

RB: Wie geht es Ihnen, wie sieht der Alltag aus?

Wajid Ali: Ich wohne mittlerweile in einem günstigen Zimmer in einem Studentenheim in der Hauptstadt Nairobi. Mit einem der Studenten habe ich mich angefreundet. Wir sprechen Englisch miteinander. Ich kann hier auch kochen, darüber bin ich froh. In Salzburg habe ich es gelernt und es macht mir Spaß.

RB: Gelegenheit Deutsch zu üben gibt es keine. Ihr Deutsch ist aber sehr gut.

Wajid Ali: Nairobi hat ein Goethe-Institut. Ich bin in der Bibliothek angemeldet, leihe mir Bücher aus und trainiere so mein Deutsch. Ich schaue auch Dokumentationen und österreichische Nachrichtensendungen und bin in Kontakt mit meinen Freunden in Salzburg.

RB: Gibt es viel Armut in Nairobi?

Wajid Ali: Die Stadt ist sehr groß mit 3,6 Millionen Menschen. Ein Großteil von ihnen wohnt unter sehr schlimmen Bedingungen in Slums und hat weniger als einen Dollar am Tag zum Überleben. Wenn ich auf die Straße gehe, begegnet mir die Armut überall. Vor allem abends ist es gefährlich und manche Orte sollte man besser meiden.

RB: Sind Sie noch bei „panairobi“, dem Verein für Straßenkinder akiv? 

Wajid Ali: Ja, mit einem der Sozialarbeiter bin ich inzwischen gut befreundet. Die Kinder bekommen eine Chance, das ist gut. Manche der Mädchen haben selbst schon Kinder.  Sie können eine Berufsausbildung machen. Wenn ich da bin, freuen sie sich einfach, dass sich jemand für sie interessiert. Sie haben keine Vorurteile, sie waren anfangs nur überrascht jemanden zu sehen, der ganz anders als sie aussieht und eine andere Hautfarbe hat.

RB: Sie möchten ab Herbst in Salzburg ein Studium beginnen? Ist das schon gesichert?

Wajid Ali: Meine Lehre fortsetzen war nicht möglich. Jetzt möchte ich studieren. Ich bin sicher, es funktioniert. Es dauert noch etwas mit den Dokumenten, sie sind noch in der Botschaft in Pakistan. Wenn Freunde zu mir sagen, alles wird gut, dann ergänze ich: Es muss gut werden. Geplant ist, dass ich PPÖ studiere, also Philosophie, Politikwissenschaft und Ökonomie. Ich interessiere mich sehr für Politik, gerade weil auch mein „Fall“ zu einem politischen Thema geworden ist. Ich spreche mit meinen österreichischen Freunden über Politik, ich lese viel und die ZIB2 im Fernsehen ist ein Pflichttermin für mich.

RB: Aus Salzburg und Österreich gab und gibt es Solidarität – auch von Menschen aus dem kirchlichen Umfeld. Was bedeutet Ihnen das?    

Wajid Ali: Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung von Menschen wie Bernhard Jenny oder Pfarrer Alois Dürlinger. Wenn ich mit ihnen oder anderen Freunden spreche, gibt mir das Kraft, dann fühle ich mich nicht so einsam. Was ich als Kind in meinem Dorf in Pakistan über Christen gehört habe, ist ganz anders als das, was ich erlebe. Ich habe sehr gute  Erfahrungen gemacht, das möchte ich weitergeben. Vielleicht kann ich ein Botschafter für beide Religionen sein und zeigen, dass ein friedliches Zusammenleben möglich ist.

RB: Ihr Asylantrag wurde zweimal abgelehnt, obwohl Sie gut integriert sind. Was denken Sie über das „offizielle Österreich“?

Wajid Ali: Ich habe keine schlechten Gefühle gegenüber Österreich. Ich möchte ja in dieses Land zurück.

RB: Ihre vergangenen Jahre waren von Unsicherheit geprägt: zuerst die Flucht, später die Angst vor der Abschiebung, dann die Ausreise ins fremde Kenia. Wie ist das zu verkraften? 

Wajid Ali: Meine Freunde geben mir Kraft. Mit dieser Kraft konzentriere ich mich auf meinen Weg. Ich habe mich immer bemüht und alles gegeben. Ich versuche, positiv zu bleiben. Das ist nicht immer leicht. Aber ich bin sicher: Es werden gute Zeiten kommen.

RB: Worauf freuen Sie sich, wenn Sie wie geplant im Herbst wieder in Salzburg sind? 

Wajid Ali: Auf alles. Am meisten auf die Menschen. In Nairobi gehe ich manchmal in die Moschee und ich höre den Muezzin rufen. Kirchenglocken habe ich noch nie gehört. Als ich in Salzburg in St. Peter gewohnt habe, gehörte dieser Klang zu meinem Tag. Ich freue mich, diese Glocken wieder zu hören.

 

Hintergrund

Wajid Ali ist Ende Jänner vor der bevorstehenden Abschiebung nach Kenia ausgereist. Zuvor fand der junge Pakistani von Juli 2018 bis Jänner 2019 Schutz im Kloster St. Peter in Salzburg. Ali absolvierte eine Kellnerlehre, er spricht sehr gut Deutsch und hat Freunde. Trotzdem sollte er nach Pakistan abgeschoben werden. Er ist kein „Einzelfall“. Wie ihm geht es in Österreich weiteren, gut inte-grierten Asylbewerbern, die in einer Ausbildung stehen und von Abschiebung bedroht sind. Ali ist derzeit  auf Unterstützung angewiesen – die nicht notwendig wäre, wenn er seine Laufbahn als Lehrling fortsetzen hätte dürfen. Spenden „Hilfe für Ali“: AT21 5500 0111 0002 7228

Foto: In Nairobi nutzt Wajid Ali seine Zeit sinnvoll und hilft beim Straßenkinderprojekt „panairobi“ mit – im Bild bei einem Besuch in einer Schule im Elendsviertel Mathare.

Foto: RB/privat