Friedensstifter im Gedenkjahr 2018

Erstmals trafen sich Österreichs Bischöfe zu ihrer Frühjahrsversammlung heu-er in Bosnien-Herzegowina.

Sarajewo. Die Bischöfe wollten damit ein Zeichen der Solidarität mit den Christen im weiterhin von den Narben des Krieges gezeichneten Bosnien und Herzegowina setzen. Doch nicht nur die Situation vor Ort war Thema der Tagung: Auch das Gedenkjahr 2018, in dem der Republiksgründung vor 100 Jahren und des „Anschlusses“ an Hitlerdeutschland vor 80 Jahren gedacht wird, waren Gegenstand der Beratungen sowie der interreligiöse Dialog und die Weltbischofssynode zum Thema Jugend im Oktober 2018. 

Bosnien und Herzegowina seien „noch immer nicht zu einem vollen und gerechten Frieden gekommen“, konstatieren die Bischöfe in einer „Gemeinsamen Erklärung“ beider Bischofskonferenzen. Unabdingbar für einen nachhaltigen Frieden seien der Respekt der Menschenwürde und „aller Rechte und Freiheiten für alle Angehörigen der drei in Bosnien-Herzegowina lebenden Völker“. Es dürfe keine „Bürger zweiter Klasse“ und Mechanismen einer systematischen Benachteiligung geben, halten die Bischöfe fest. Zugleich würden sie Bosnien und Herzegowina auch auf dem Weg der europäischen Integration unterstützen: Das Land sei durch seine Geschichte und sein reiches kulturelles Erbe ein Teil Europas.

Das Gedenkjahr 2018 – 100 Jahre nach der Republiksgründung und 80 Jahre nach dem „Anschluss“ an Hitlerdeutschland – soll Anlass sein, sich den „mühsam errungenen Wert von Menschenrechten, Demokratie und Gemeinwohl“ wieder so bewusst zu machen, „dass der Einsatz dafür angesichts immer wieder vorhandener Gefährdungen stärker ist und bleibt“: Diesen Appell richtet die Bischofskonferenz in ihrer Erklärung „1918 – 1938 – 2018. Erinnern und Gedenken“ an die Gläubigen; das Rupertusblatt berichtete.

Schließlich unterstrichen die Bischöfe die Notwendigkeit eines aufrichtig geführten interreligiösen Dialogs für den Frieden: Der Tagungsort Sarajewo sei „ein Modell für ein über jahrhundertelang gelungenes, tolerantes, wenn auch nicht immer konfliktfreies Zusammenleben zwischen den Angehörigen verschiedener Religionen“, zugleich aber auch durch den Krieg von 1992 bis 1995 mit Tausenden Toten ein „Mahnmal von Zerstörung“. Zum interreligiösen Dialog gebe es keine Alternative: „Multireligiöses Zusammenleben in Gerechtigkeit und Toleranz, Freiheit und Verantwortung sind ein bleibender Auftrag für alle Staaten und Religionsgemeinschaften.“ kap

 

Bildtext: Österreichs Bischöfe zu Besuch im Priesterseminar „Redemptoris Mater“ der Erzdiözese Sarajewo. Foto: Kathpress/Wuthe