Fußball für den Frieden

Kolumbien. „Fundacion Madre Herlinda Moises“ ist auf das Trikot von Adrian und den anderen in seiner Mannschaft gedruckt. Der begeisterte junge Fußballer spielt schon seit Jahren in der Mannschaft, die nach der gebürtigen Bad Hofgasteiner Franziskaner-Missionarin Herlinde Moises benannt ist. Die Mutter-Herlinde-Moises-Stiftung im kolumbianischen Pasacaballos fördert den Sport und damit viel mehr: Denn das Fußballspielen stärkt die Kinder, und vermittelt ihnen Werte wie den fairen  und friedlichen Umgang miteinander. 

Pasacaballos. „Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern.“ Dass in diesem Zitat von Nelson Mandela ein großes Stück Wahrheit steckt, beweisen die Kinder und Jugendlichen aus Pasacaballos. In ihrer kleinen Welt jedenfalls ist der Fußballplatz ein Ort der Freude und des Friedens und vielleicht sogar das Tor in eine bessere Zukunft. Davon jedenfalls ist Trainer José Antonio Diaz überzeugt. „Fußball und Bildung gehen bei uns Hand in Hand.“ Außerdem sorge das runde Leder dafür, dass die Kinder und Jugendlichen nicht auf dumme Gedanken kommen und sich mit Jugendbanden abgeben. „Der Fußball hält sie von Drogen und Kriminalität fern.“ Häusliche Gewalt, Kinderarbeit, sexueller Missbrauch und Prostitution sind am Rand der Millionenstadt Cartagena keine Ausnahmen, sondern Alltag. Mit Fußball kämpft die Moises-Stiftung dagegen an.  

Kleiner Beitrag zum Frieden in Kolumbien 

Rund 120 Buben und Mädchen im Alter von zehn bis sechzehn Jahren besuchen regelmäßig die Fußballschule. Sie kommen aus armen Familien, die alle kein Geld für die Freizeitgestaltung ihres Nachwuchses übrig haben. Die Fußballschule ist gratis. Einzige Bedingung: Die Mädchen und Buben müssen in eine der drei staatlichen Schulen der Gemeinde gehen und dürfen das Lernen nicht vernachlässigen. Dass es auch in der Moises-Stiftung nicht alleine beim Kicken bleibt, versteht sich von selbst. In pädagogischen Workshops geht es um Werte, die das friedliche Zusammenleben fördern. Die Verantwortlichen sehen das Projekt als einen kleinen Beitrag zum lang ersehnten Frieden in Kolumbien. Der hat vergangene Woche ein neues Kapitel aufgeschlagen:  Die Farc-Rebellen haben alle ihre Waffen den Vereinten Nationen übergeben. Länger als 50 Jahre hatte der Bürgerkrieg gedauert, in dem 200.000 Menschen starben, Zehntausende spurlos verschwanden und mehr als sieben Millionen Menschen aus ihren Heimatorten vertrieben wurden. Doch mit dem Ende des bewaffneten Konflikts ist die Umsetzung des Friedensvertrages und die Versöhnung des gespaltenen Landes noch lange nicht abgeschlossen. 

Respekt, Toleranz und Fairness lernen

Die Moises-Stiftung setzt auf „Fußball für den Frieden“. Das Konzept ist einfach, doch wirkungsvoll. Fairplay ist oberstes Gebot. Dabei kommen die Spielerinnen und Spieler ohne Schiedsrichter aus. Die Kinder stellen ihre eigenen Regeln auf: Zum Beispiel gewinnt nicht jenes Team, das am meisten Tore erzielt, sondern das am wenigsten Fouls begeht. Spielen Mädchen mit, muss das erste Tor von einem von ihnen geschossen werden. Dass diese Art von Fußballspiel nicht nur lehrreich ist, sondern Spaß macht, bestätigt einer der es wissen muss. Der elfjährige Adrian gehört seit er acht war dem Team an. Darauf ist er stolz. Dreimal in der Woche kommt er
zum Training. Die Workshop-Inhalte Respekt, Toleranz und Fairness hat er längst verinnerlicht. „Fällt jemand hin, helfe ich ihm auf. Ich versuche immer gerecht zu sein. Ich respektiere alle Spieler, auch die in der gegnerischen Mannschaft“, versichert der Bursche. Dass er bei Turnieren ab und zu aus Pasacaballos rauskomme, gefalle ihm besonders. „Da treffen wir Kinder aus anderen  Schulen“, erzählt der junge Stürmer, der einen  Traum hat: „Einmal im besten Club der Welt spielen.“ Welcher das ist? „Natürlich Real Madrid“, lacht Adrian und zupft sein Trikot mit der 7 zurecht. Mit derselben Rückennummer läuft auch Superstar Cristiano Ronaldo auf.  

Hintergrund

Hintergrund: Maria Herlinde Moises ist 2006 verstorben. Ihre leibliche Schwester Margaretha Moises und die Mutter-Herlinde- Moises-Stiftung führen das Werk und die Arbeit in Pasacaballos weiter. 

Unterstützung kommt von SEI SO FREI, der entwicklungspolitischen Aktion der Kath. Männerbewegung. Gefördert wird auch das Projekt  „Fußball für den Frieden“. Spenden bitte auf das SEI SO FREI-Konto. IBAN: AT10 3500 0000 0001 4100.

Bilder (W. Heindl)/ibu: Mädchen und Buben spielen gemeinsam Fußball und lernen dabei fürs Leben. „Fußball ist mein Lieblingssport“, betont Adrian, der ausnahmsweise im Tor steht. „Eigentlich bin ich Stürmer.“