„Gebauter“ Glaube

Jubiläum. Zusammenkommen, danken und feiern – unter diesem Motto stand das Jubel-Wochenende in Salzburg-Gneis.  Am 22. Oktober 1967 weihte Erzbischof Andreas Rohracher die Pfarrkirche. 50 Jahre später war wieder ein Salzburger Oberhirte in Gneis zu Gast. Erzbischof Franz feierte mit der Pfarre den Gottesdienst. 

Salzburg-Gneis. „Die Kirche ist auf dem Felsen der Bekenntnis gebaut. Wir beginnen nicht bei null; der Grundstein ist gelegt. Nun liegt es an uns, weiterzubauen – an einer Kirche, die in Jesus Christus ihren Ursprung hat.“ Das betonte Erzbischof Franz Lackner in seiner Predigt zum 50-Jahr-Jubiläums-Gottesdienst in der Salzburger Stadtpfarre. Gut gefüllt war das Gotteshaus, das sich rechtzeitig zu den Festtagen in einem neuen Kleid präsentierte – die Gemeinde freute sich nicht nur über den runden Geburtstag, sondern auch über den Abschluss der Kircheninnensanierung. Kirchenchor mit Orchester und Solisten trugen  mit Mozarts Krönungsmesse dazu bei, dass der Festgottesdienst den Gneiserinnen und Gneisern noch lange in  Erinnerung bleiben wird.

Pfarrpatron Johannes XXIII.

So mancher kann sich auch an das Jahr 1967 noch gut erinnern. Damals wurde die Pfarre an der südlichen Pheripherie von Salzburg aus der Taufe gehoben und Johannes von Capistran geweiht. Bestimmt wurde er, da er als Prediger in Ungarn und Siebenbürgen gelebt hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Gneis gerade für viele Heimatvertriebene aus diesen Regionen zur neuen Heimat.  

Zum Jubiläum bekam die Pfarre mit Papst Johannes XXIII. einen zweiten Patron. Für den Gneiser Pfarrer Peter Zeiner „ist in Zeiten wie diesen ein echter Friedens- und Erneuerungs-Fürsprecher nötig“. Johannes XXIII. stehe für Aufbruch sowie Besinnung auf die Möglichkeiten von Glauben und Kirche. „Neue Wege waren in Sicht und das besteht bis heute“, so Zeiner über den Konzilspapst.  

„Sitzen Sie gut?“

Gerlinde Lindner-Schellander trug als kleines Mädchen beim Einweihungsfest der Kirche vor 50 Jahren ein Gedicht vor. Heute baut sie als Obfrau von Pfarrgemeinde- und Pfarrkirchenrat an Kirche und Gemeinschaft in Gneis mit. „Sitzen Sie gut?“ Mit dieser Frage begrüßte Lindner-Schellander die Menschen zur Festmesse. Sie sprach damit die neuen Kirchenbänke an, auf denen die Gneiser nun Platz nehmen dürfen. Sie verwies  auf die in den vergangenen zwei Jahren durchgeführte Generalsanierung von Pfarrhof und Gotteshaus. „Es ist nicht lange her, da hatten wir noch eine Staubwolke in der Kirche. Jetzt strahlt wieder alles. Großartig.“ Lindner-Schellander dankte allen bei Planung und Ausführung Beteiligten, den Professionisten, der Finanzkammer der Erzdiözese  und den  Spendern. Sie formulierte außerdem einen Wunsch, „in unserer heute so schönen Kirche. Ich wünsche mir einen neuen Aufbruch, damit weitere gute 50 Jahre folgen“.

In dieselbe Richtung zielen die Worte des Erzbischofs. Zum Pfarr- und Kirchenjubiläum hat Gneis eine Festschrift herausgebracht. EB Lackner schreibt darin an die Pfarrbevölkerung: „Ein Gotteshaus ist als Gebäude nicht genug; mögen viele Menschen den Weg hierher finden und in ihrer Gemeinschaft erleben, wie viel Freude und Trost hier zu finden sind. Erst so erweist sich die Kirche als  ,gebauter Glaube‘ auch für die Zukunft.“

Blick in die Geschichte

Der Name Gneis leitet sich wahrscheinlich vom lateinischen canales her, also von Kanälen, oder genauer von Entwässerungsgräben, die in dieser Region typisch waren. Sie reichten früher bis an die Berchtesgadener Straße heran. Das Gebiet des jungen, grünen Teils der Stadt Salzburg ist erst seit den 50er Jahren intensiver bebaut. Viele Flüchtlinge, vor allem Siebenbürger-Sachsen und so genannte „Volksdeutsche“ fanden hier eine neue Heimat. 

Die „Mutterpfarre“ Morzg dagegen ist schon seit Dezember 1911 eine selbstständige Pfarre – das weitläufige Gebiet umfasste damals auch die heutigen Pfarren Herrnau und Gneis. Das starke Bevölkerungswachstum machte es in den 60er Jahren notwendig, Salzburg-Morzg zu teilen. Im Juni 1961 wurde Herrnau und im Juni 1967 Gneis gegründet. Für den Kirchenbau wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Die Jury entschied sich für das Projekt des sudetendeutschen-Architekten Erich Gerlich. Am 22. Oktober 1967 weihte Erzbischof Andreas Rohracher das neue Gotteshaus zu Ehren des heiligen Johannes Capistran ein. Erster Seelsorger war Wilhelm Wirsam. Im Gegensatz zur Kirche Herrnau bekamen die Gneiser einen puristischen, lichtdurchfluteten Hallenbau. Dieses Konzept erlaubte es dem Kirchenvolk über die Jahrzehnte hinweg, ihr Gotteshaus immer wieder neu zu gestalten. 

Wie wichtig die Pfarre in Gneis ist, beschreibt PGR-Ob-frau Gerlinde Lindner-Schellander in der Festschrift „50 Jahre Pfarre Salzburg-Gneis“: Bis heute sei Gneis kein eigener, offizieller „Stadtteil“, die Schul- und Wahlsprengel aufgeteilt, die geplante Volksschule nie gebaut. „Alleine die Pfarre bildet mit Kirche, Pfarrzent-rum und Kindergarten eine der wenigen ,öffentlichen‘ Einrichtungen, die nicht nur für die rund 3.000 KatholikInnen für Aktivität, Gespräch, Engagement und natürlich Gebet zur Verfügung steht.“

Fotos (ibu): Erzbischof Franz Lackner und Pfarrer Peter Zeiner stellen den neuen Gneiser Pfarrpat-ron vor: Papst Johannes XXIII.

Zum Festgottesdienst strahlte das Gotteshaus wieder; zur Freude der Gneiserinnen und Gneiser, die sich an den Worten des Erzbischofs erfreuten und am Gesang des Kirchenchores – dafür gab es Applaus.